Geschichte - Britische Inseln



Das heutige Gesicht der Inseln


Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland

Großbritannien ist auch heute noch eine konstitutionelle Monarchie. Seit 1952 ist Queen Elisabeth II. die allseits beliebte und geachtete Monarchin mit weitestgehend Repräsentationspflichten - und das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Das „Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland" umfasst Schottland, Wales, England und Nordirland mit einer Gesamtfläche von gut 244 000 Quadratkilometern. Dazu gehören auch die Isle of Man und die Channel Islands (Jersey, Guernsey, Alderney), die jeweils direkt der Krone unterstehen. Seit der Neugliederung 1974 ist das Land in 89 Verwaltungseinheiten (Counties, Regions und Districts) unterteilt.

Edinburgh ist Schottlands Hauptstadt, von Cardiff aus wird Wales regiert, London ist zugleich englische und britische Hauptstadt und Belfast die von Nordirland. Seit 1997 besitzen Schottland und Wales eigene Parlamente, in Nordirland jedoch ist noch immer der Versuch gescheitert, ein demokratisches Parlament einzusetzen, das von allen Parteien (katholischen und protestantischen) unterstützt wird.

Der größte Anteil der insgesamt ca. 58,3 Mio. Einwohner lebt in England, davon fast 1,6 Millionen im Großraum London. Doch auch Industriestädte wie Liverpool, Birmingham, Glasgow und Belfast sind inzwischen zu Millionenstädten geworden. Dennoch ist das Land in einigen Gebieten, vor allem in Schottland, Wales, dem nördlichen Teil Englands und den Counties Devon und Cornwall noch sehr ländlich geblieben.

Die britische Insel liegt, an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals zwischen Dover und Calais, nur 32 km vom europäischen Festland entfernt. Obwohl sich die Insel in der Länge über mehr als 1000 km und in der Breite über bis zu 500 km erstreckt, liegt kein Punkt weiter als 130 km von der Küste entfernt. Der höchste Berg, der Ben Nevis (1343 m) liegt in Schottland, doch auch der Mount Snowdon in Wales hat mit 1085 m eine beachtliche Höhe.

Staatssprache ist im ganzen Land Englisch, doch in Schottland wird vor allem in den Highlands noch die alte gaelische Sprache gesprochen. Auch in Wales gibt es einige Gebiete, in denen Walisisch (Cymraeg) üblich ist – vor allem um Cardigan an der Westküste. Walisisch, das seine Wurzeln im Keltischen hat, ist in Wales in der Zwischenzeit sogar zweite Amtssprache. Lange mussten die Waliser für die Anerkennung „ihrer" Sprache kämpfen. Mancherorts übersprühten extreme Nationalisten sogar die englischen Hinweisschilder mit den walisischen Ortsnamen – so lange, bis die Regierung in London 1962 dem Druck nachgab und Walisisch zur offiziellen Sprache erklärte. So sprechen heute wieder fast ein Viertel der Bevölkerung Walisisch, das Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast am Aussterben war.


Die Republik Irland

Die Republik Irland nimmt mit über 70 000 Quadratkilometern den größten Teil der knapp 84 500 Quadratkilometer umfassenden irischen Insel ein. Die gesamte Insel ist ungefähr so groß wie Bayern: in der N-S-Ausdehnung ist sie maximal 465 km lang, in der O-W-Ausdehnung maximal 285 km breit. Der größte Fluss ist der Shannon, der auf über 225 km schiffbar ist. Weitere Flüsse sind Erne, Barrow, Grand Canal, Suir und Slaney.

Das Klima ist ozeanisch beeinflusst. Der Golfstrom, der an der Südküste vorbeifließt, erzeugt eine milde, liebliche, fast subtropische Vegetation mit Fuchsienbüschen und Palmen. Moor- und Heideflächen findet man oft in der Connemara, zerklüftete Klippenlandschaften im Nordwesten.

Das verwaltungstechnisch in 26 Counties aufgeteilte Land ist seit 1921 eine parlamentarische Republik und Mitglied der Europäischen Union. Dublin (die Hauptstadt des Landes) und Cork sind die beiden größten Städte des Landes, weite Teile des Landes (über zwei Drittel!) werden landwirtschaftlich genutzt.

Irisch, zum gälischen Zweig des Keltischen gehörend, ist erste Amtssprache, Englisch ist Zweitsprache und Umgangssprache. Die knapp 4 Millionen Einwohner gehören zu rund 95% der römisch-katholischen Kirche an. Übrigens sind nur 4% der Iren rothaarig! Braune Haare überwiegen bei weitem!

In der irischen Musik mischen sich traditionelle und moderne Klänge auf harmonische Weise. Die Iren sind meist sehr sangesfreudig und sind stolz auf ihre traditionelle Musik.

An vielen Orten in Irland wird man buchstäblich in die Vergangenheit versetzt. Sei es im „Book of Kells" –geschrieben von irischen Mönchen, die ihre Weisheit rund um die Welt verbreitet haben – oder bei den überall anzutreffenden Dolmen und keltischen Kreuze. Auch uralte Abteien, mittelalterliche Klosteranlagen, Schlösser und Burgen erzählen von längst vergangenen Zeiten, als Irland noch die Insel der Heiligen und Gelehrten war.


Die britischen Inseln – ein kurzer (?) Ausflug in ihre bewegte Geschichte


Die Kelten
(4. Jhdt. v.Chr. bis Mitte des 1. Jhdts. v.Chr.)

Sprache und Kultur der britischen Inseln wurden schon in früher Zeit (4./3. Jhdt. v. Chr.) von verschiedenen Stämmen der Kelten geprägt. Im heutigen Schottland lebten die Pikten, in Irland der Stamm der Skoten. Die irischen Kleinkönigreiche unterstanden Provinzkönigen, an der Spitze stand ein gewählter Hochkönig. Die Einteilung in die 5 Provinzen Ulster, Leinster, Munster, Connacht und Meath stammt aus dieser Zeit. Druiden, Barden und Goldschmiede waren bei Hofe gern gesehen.


Römische Besatzung Englands
(Mitte des 1. Jhdts. v.Chr. bis 5. Jhdt. n.Chr.)

Um 50 v.Chr. eroberten die Römer Britannien und legten unter anderem Festungsstädte an - wie zum Beispiel Londinium (London) oder Aquae Sulis (Bath) -, bauten Zollstationen und errichteten Grenzwälle gegen die Schotten im Norden (Hadrianswall). Auch das Christentum setzte sich langsam in England fest. Die irische Insel hingegen wurde nie von Rom besetzt und konnte sich so ihre keltische Kultur lange bewahren. Im 4. Jhdt. n.Chr. unternahmen die Iren häufig Raubzüge auf das römische Britannien und brachten Gefangene mit. So kam auch der heutige Nationalheilige St. Patrick auf die Insel, wo er später als erster Bischof in Irland predigte und missionierte.


Die Angeln und Sachsen
(5. Jhdt. bis 1066)

Später, im 5. Jhdt. n.Chr., als sich die Römer bereits weitestgehend wieder zurückgezogen hatten, wurde in Britannien die ursprüngliche keltische Bevölkerung von den Angeln und Sachsen in die Gegenden von Schottland, Wales und Cornwall verdrängt. Nur dort konnten sie ihre Freiheit, ihre keltische Sprache und Kultur noch längere Zeit gegen die Angelsachsen behaupten.


Die Normannen in England
(1066 bis Mitte des 15. Jhdts.)

1066 eroberte der Normannenherzog William the Conqueror England und organisierte einen straff organisierten Feudalstaat, den er durch Zwingburgen befestigte. Sein Königreich strecke immer wieder seine Fühler nach neuen Besitztümern aus und teils durch Heirat, teils durch Kriege, gehörten zu England Anfang des 12. Jhdts. sogar große Teile des heutigen Nordfrankreich, die allerdings nach vielen langen und erbitterten Kämpfen 1453 endgültig verloren waren.


Die Wikinger in Irland
(9. bis 12. Jhdt.)

Währenddessen wurde die irische Insel im 9. bis 11. Jhdt. von den Wikingern heimgesucht. In sich war das Land in viele Clans und Dynastien zerstritten und konnte den gutbewaffneten Invasoren mit den wendigen Schiffen wenig entgegensetzen. Es entstanden erste Handelsniederlassungen wie Dublin oder Limerick.


Erste englische Invasionen in Irland
(1169 und 1171)

Anlass für die erste Niederlage der Iren gegen die Normannen war schlicht Eifersucht und Rache: Ein König von Leinster, Dermot Mac Murrough, entführte die Ehefrau seines größten Rivalen. Aus Rache vertrieb der gehörnte Ehemann den Feind nach England, wo dieser sich Hilfe bei „Strongbow", dem Earl of Pembroke suchte. Die Schlacht bei Waterford in Irland brachte dem Normannen nicht nur den Sieg, sondern als Lohn die Tochter Mac Murroughs – und so auch die Nachfolge auf den Thron in Leinster. Ein Eroberungszug des normannischen Königs Henry II. 1171 läutete den Beginn der Herrschaft Englands über Irland ein. Das englische Feudalsystem wurde eingeführt, doch es sollte noch lange dauern, bis die Engländer in Irland richtig Fuß fassen konnten.


Besiedelung von Schottland und Wales durch Anglo-Normannen
(13. Jhdt.)

Im 13. Jhdt. ließen sich in Schottland nach und nach immer mehr Anglo-Normannen nieder. Wales wurde endgültig 1282 von Eduard I. erobert und dessen ältester Sohn als „Prince of Wales" eingesetzt. Zur Festigung der walisischen Abhängigkeit wurde es Tradition, dass seitdem jeder erstgeborene englische Prinz auch walisischer Prinz wurde.


Der englische Rosenkrieg
(1455 bis 1485)

Unter Henry VI. brach in England ein Bürgerkrieg aus, der sich aus dem zwischen den Häusern York und Lancaster entfachten Streit um die Erbfolge entwickelte und später als „Rosenkrieg" in die Geschichte einging. 1485 beendete Henry Tudor VII. die Kämpfe um die Erbfolge und verhalf seinem Geschlecht zur Königswürde. Vor allem während der Kriegsjahre versuchten Schottland, Irland und Wales, die Situation auszunutzen und ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen, doch letztendlich konnte nur Schottland Englands innere Zerrissenheit wenigstens bis Mitte des 17. Jhdts. für sich ausnutzen.


Spaltung der Kirche: Henry VIII. und die Folgen einer Scheidung
(1534 bis 1649)

Einer der wohl berühmtesten englischen Könige, Henry VIII., zeichnete 1534 für die Trennung der Anglikanischen Kirche von der Katholischen Kirche in Rom verantwortlich. Unter seinem Lordkanzler Thomas Cromwell wurde den Klöstern nach und nach ihre enorme Macht entzogen und so dem Landadel zu seinem Aufstieg verholfen. Elisabeth I., seine Tochter aus der Ehe mit Anne Boleyn, setzte die Anglikanische Kirche als Staatskirche ein und verschaffte ihrem Land - trotz des großen Widerstandes von Schottland, der Handelsmacht Spanien und natürlich Roms – eine große Macht innerhalb Europas. Doch auch in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Versuchen verschiedener Könige, den Katholizismus wiederherzustellen, und so wurde in dieser Zeit wohl der Grundstein gelegt für die noch heute existierenden Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und Katholiken - vor allem in Irland. Denn auch die Besiedelung Irlands wurde von Elisabeth I. wieder mit aller Macht betrieben; die Iren wurden enteignet und mit militärischer Macht unterdrückt.


Oliver Cromwell und die Entwicklung zur Kolonialmacht
(1649 bis Mitte des 18. Jhdts.)

Die Revolution des Parlamentes gegen die Monarchie und die Zeit des Commonwealth begann 1649 unter Oliver Cromwell, der als „Lord-Protector" dennoch wie ein absoluter Herrscher regierte. Auch die irischen Rebellionen für die Gleichstellung der Katholiken mit den Protestanten wurden von ihm mit aller Härte niedergeschlagen. Bis Mitte des 18. Jhdts. wuchs das „Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland", zu dem nun in der Zwischenzeit auch Schottland gehörte, zu einer führenden See- und Kolonialmacht heran.


Industrielle Revolution und Nationalbewegungen
(Mitte des 18. Jhdts. bis Anfang des 20. Jhdts.)

Vor allem durch die Industrielle Revolution wurde das Gesicht des modernen Großbritannien Mitte des 18. Jhdts. nachhaltig geprägt. Die Arbeiter der Kohlebergwerke und der Spinnereien protestierten schon bald gegen die unmenschlichen Bedingungen und für soziale und politische Reformen, die ersten „Trade Unions" (Gewerkschaften) entstanden. Ende des 18. Jhdts. erwachten die ersten irischen Nationalbewegungen. Mehrere Missernten bei Kartoffeln – den Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung – löste 1845 bis 1949 eine verheerende Hungersnot, den „potato famine" aus. Die irische Bevölkerung wurde um etwa zwei Millionen Menschen reduziert: Die eine Hälfte starb, der Rest wanderte vor allem nach Amerika und Kanada aus.


Die Zeit der beiden Weltkriege
(1914 bis 1945)

Während des ersten Weltkrieges, in den auch Großbritannien nach der Besetzung Belgiens durch Deutschland eingriff, wuchsen auch die Probleme im eigenen Land: Die Sinn Fein strebte für Irland eine unabhängige Republik mit eigenem Parlament an. Nach dem blutigen Osteraufstand in Dublin 1916 kam es zur endgültigen Trennung von Nord- und Südirland, die Republik Irland (Eire) wurde 1920 ausgerufen, Nordirland blieb im Königreich und behielt seine bereits 1914 eingeführte „Home Rule".
Auch im zweiten Weltkrieg griff Großbritannien gegen die Machtansprüche Deutschlands ein und konnte trotz großer eigener Verluste einen deutschen Erfolg im Luftkrieg um England verhindern.


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