Chios

Chios, die fünftgrößte Insel Griechenlands, gehört zu den in Deutschland eher unbekannten griechischen Inseln.
Noch weniger bekannt ist allerdings der auf der ganzen Welt einzigartige Mastixbaum.
Das daraus gewonnene Baumharz, das vor allem zur Kaugummiherstellung und in der Kosmetikindustrie verarbeitet wird, ist ein "Exportschlager", dessen Erfolgsgeschichte schon seit der Antike währt.
Doch eine Reise nach Chios lohnt sich unbedingt auch wegen der landschaftlichen Schönheit der Insel: der milde, grüne Süden mit den Millionen von Mastix- und Olivenbäumen und den einzigartigen, mittelalterlichen Wehrdörfern, aber auch die Klöster und Kirchen der Inselmitte sind sehenswerte Ziele. Der Norden, eher karg und gebirgig, birgt verschlafene, raue Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.




Chios-Stadt (Chora)

Die Inselhauptstadt ist nicht wirklich schön. Denn nach dem schweren Erdbeben von 1881 wurden die im Stadtbild entstandenen Lücken oftmals mit praktischen Nutzbauten aufgefüllt. Dennoch lieben die Chioten "ihre" Stadt, in der doch über die Hälfte der rund 53.000 Inselbewohner lebt. Chios-Stadt besitzt den wichtigsten Hafen der Insel und ist das unangefochtene Kultur-, Verwaltungs- und Handelszentrum der Insel.
Unter tags spielt sich das Leben der Einwohner an der Platia Vounakiou, an die sich der zentrale Park mit seinem ehemaligen Dampfbad, dem Melek-Pascha-Brunnen und die Moschee anschließen und an der Odos Aplotarias, der quirligen Haupt-Einkaufsstraße, ab. Abends hingegen trifft man sich in den unzähligen Cafés und Bars an der Prokymea, der Hafenfront. Eher ruhig hingegen ist das in sich abgeschlossene Kastro-Viertel, das den alten Kern der um 1000 v. Chr. entstandenen Siedlung bildet.
Lage: An der Ostküste der Insel, etwa auf Höhe des türkischen Badeortes Cesme

Archäologisches Museum: Nach umfangreichen Renovierungen, die 1999 abgeschlossen wurden, gehört das Archäologische Museum von Chios heute zu den besten archäologischen Museen in ganz Griechenland. Die neu gestaltete Ausstellung ist sehr ansprechend arrangiert und man kann sich anhand vieler Infotafeln ein gutes Bild des antiken Lebens auf Chios machen. Hier findet man eine fabelhafte Sammlung prähistorischer, klassisch griechischer und römischer Ausstellungsstücke, die in den letzten ungefähr 100 Jahren bei Ausgrabungen auf Chios gefunden wurden.
Zu den wichtigsten Stücken gehören eine prähistorische Vase aus Emporio (14. Jhdt. v. Chr.), Maß-Amphoren aus Chios (8. Jhdt. v. Chr.), ein goldener Lorbeerkranz aus einem Grab in Chios-Stadt (aus hellenistischer Zeit), ein in Marmor gemeißelter "Brief" Alexanders des Großen (332 v. Chr.), der den Chioten mehr Demokratie zubilligte, ein mazedonisches Grabmal, Grabstelen, Schmuck und Münzen. Eintritt.
Lage: in der Odos Michalon 10, die im südlichen Bereich des Hafens von der Hafenpromenade abzweigt (ausgeschildert) und leicht ansteigend nach etwa 300m zum Haupteingang des Museums führt.

Folklore-Museum Philip Argenti (in der Korais-Bibliothek): Adamantios Korais (1748 bis 1833), der Sohn eines chiotischen Kaufmanns, war ein leidenschaftlicher Büchersammler. Er schuf außerdem das erste neugriechische Wörterbuch, setzte sich sehr für die Förderung von Erziehung und Bildung ein und öffnete daher 1792 seine umfangreiche Bibliothek der Öffentlichkeit. Heute ist die Bibliothek mit etwa 150.000 Büchern, Landkarten, Skizzen, Fotos und einem Presse-Archiv die drittgrößte und auch eine der ältesten Griechenlands.
Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich das Philip Argenti-Museum, in dem neben Gemälden und privaten Sammlungen der Argenti-Familie auch volkskundliche Trachten der Insel, Stickereien und typische Werkzeuge ausgestellt sind. Eintritt.
Lage: Odos Korai 2, ein paar Schritte von der Bischofskirche (Metropolis) entfernt

Maritime Museum of Chios: Seit 1991 kann man in diesem Museum einiges über die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Schifffahrt für Chios erfahren, die neben dem Mastixanbau auch heute noch zur wichtigsten Einnahmequelle der Inselbewohner gehört. Ausgestellt sind viele Schiffsmodelle und Aquarelle von Segel- und Dampfschiffen, die unter chiotischer Flagge liefen, seltene Fotografien, Seefahrtsinstrumente und Schiffszubehör, die so die historische und soziale Bedeutung der Seefahrt anschaulich belegen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für ausgesprochene Wasserratten. Eintritt.
Lage: Odos Stefanou Tsouri 20 (auch Odos Atsikis), die am südlichen Ende der Odos Aplotarias beginnt

Große Moschee (Metzitie-Moschee): Die gute erhaltene Moschee stammt aus dem 19. Jhdt. und erinnert auch heute noch an die türkische Herrschaft auf Chios. Im Inneren ist zwischenzeitlich das Byzantinische Museum mit Funden aus der Zeit zwischen dem 5. und dem 18. Jhdt. untergebracht, das allerdings momentan (bis voraussichtlich Ende 2007) wegen Umbauarbeiten geschlossen ist. Man kann jedoch die im Vorhof gelagerten Sarkophage und Grabstelen mit muslimischen, griechischen, genuesischen und sogar hebräischen Texten und die alten Messing-Kanonen aus dem Kastro-Viertel ansehen, die von der bewegten und wechselvollen Geschichte der Insel berichten.
Lage: am Marktplatz (Platia Vounakiou), am Beginn der Odos Aplotarias

Kastro-Bezirk (To Kastro): In der byzantinischen Epoche, etwa Ende des 10. Jhdts., wurde die Stadt mit einer Mauer und einem Graben befestigt. Später, etwa ab dem 14. Jhdt. bis ins 19. Jhdt. hinein, bauten die Genueser laufend Erweiterungen, Ausbesserungen und neue Befestigungen, so dass heute kein einziges der ursprünglichen Gebäude erhalten geblieben ist. Auch die Stadtmauer mit ihren 6 halbrunden Türmen fiel der Modernisierung zum Opfer. Heute fehlt die seeseitige Stadtmauer fast komplett.
Das ruhige Kastro-Viertel bildet die eigentliche Altstadt von Chios. Hier findet man in den engen Gassen alte Häuser mit schmalen Eisenbalkonen und schmiedeeisernen Fenstergittern. Betritt man das Viertel durch das südliche Haupttor, die Porta Maggiore, kann man am unscheinbaren Portal noch eine historische, eisenbeschlagene Holztür entdecken. Dahinter gelangt man durch ein verwinkeltes Wegezickzack zum Guistiniani-Palast, anschließend zu einer kleinen Platia mit einigen türkischen Gräbern, deren Grabstelen teilweise von Turbanen gekrönt sind. Sehenswert sind außerdem die Bayrakli-Moschee (Anfang des 20. Jhdt.), die Kirche Agios Georgios (1912 erbaut), der alte Turm (Koules), eine byzantinischen Zisterne, die Türkischen Bäder und der Nordturm (16. Jhdt.).
Lage: am nördlichen Ende des Hafens (Haupteingang an der Odos Tzon Kenenty)

Guistiniani-Palast (Palataki): In einem alten Palast aus dem 16. Jhdt., in nur zwei kleinen Räumen auf zwei Etagen, sind 12 der schönsten byzantinischen Fresken aus der Kirche Panagia Krina in Vavili ausgestellt. Sie stellen die 12 Propheten dar und stammen aus dem 14. Jhdt. Außerdem kann man hier einige außergewöhnliche Ikonen, byzantinische Münzen, Grabsteine und Steinmetzarbeiten sehen. Der Eintritt scheint für die Menge der ausgestellten Stücke etwas hoch zu sein, ist jedoch für die Bedeutung der Fresken angemessen.
Lage: im Kastro-Viertel, zwischen Haupteingang (Porta Maggiore) und der Platia

Treis Miloi

Früher gab es auf der ganzen Insel eine große Anzahl an Windmühlen, die vor allem zum Mahlen von Getreide oder zum Antreiben von Maschinen genutzt wurden. Viele dieser Mühlen sind heute verfallen. Die "Treis Miloi" wurden als eine der wenigen Mühlen wieder restauriert. Sie stehen im ehemaligen Industriegebiet von Chios-Stadt, wo sich früher vor allem die Lederindustrie befand. Ein paar leerstehende Gerbereien kann man auch heute noch in der Nähe entdecken.
Lage: Im Stadtviertel Tampakika am Nordrand von Chios-Stadt, direkt an der Hauptstraße

Kampos-Ebene

Eine ganz eigene Atmosphäre hat der Kampos, eine fruchtbare Ebene, die sich südlich der Hauptstadt zwischen den Bergen und dem Meer erstreckt. Hohe Mauern, deren Eingangsportale oft mit marmornen Familienwappen geschmückt sind, verbergen meist prachtvolle Herrenhäuser mit ausgedehnten Obst- und Zitrus-Plantagen. Viele der Innenhöfe sind mit schwarz-weißen Kieseln gepflastert, von denen elegante Freitreppen Zugang zu den Villen bieten. Einige der hölzernen Wasserräder, die einst das Wasser aus den Zisternen auf die Plantagen schaufelten, sind noch gut erhalten.
Die Entstehung des Kampos geht zurück auf die byzantinische Zeit. Doch erst im 16. Jhdt. entwickelte sich der Kampos zu einer prosperierenden Kulturlandschaft mit über 200 Herrensitzen. Die natürlich vorhandenen Wasserressourcen machten es möglich, die von den Genuesern importierten Zitrusbäume systematisch zu kultivieren. Das Türken-Massaker 1822 und das große Erdbeben von 1881 läuteten jedoch den endgültigen Niedergang des Kampos ein. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten begann man wieder, die teils verfallenen Villen zu restaurieren und baute einige sogar zu Restaurants oder Hotels um.
Lage: Etwa 2 km breite und 7 km lange Ebene, südwestlich von Chios-Stadt; beginnt etwa südlich des Flughafens.

Karfas

Karfas, der Hafenort von Thymiana, ist der größte Urlaubsort von Chios und besitzt einen der schönsten und längsten Sandstrände der Insel, der flach ins Meer hin abfällt. Erst ab 1980 begann man auf dem trockenen Schwemmland (der Name des Ortes kommt von "karfaleos" und bedeutet "trocken") die heutige touristische Infrastruktur aufzubauen. Minimärkte, Tavernen, Bars, Cafés, Autovermietungen, Wassersportmöglichkeiten und sogar etwas Nachtleben machen Karfas so zu einem angenehmen Aufenthaltsort. Verglichen mit anderen griechischen Inseln, sind die touristischen Ausmaße von Karfas jedoch eher angenehm und nicht zu hektisch.
Lage: etwa 7 km südlich von Chios-Stadt.

Thymiana

Thymiana ist der größten Orte der Insel und bekannt für seine Steinbrüche, in denen ein rötlich-ockerfarbenen Stein (Thimianousiko Petra) gebrochen wird. Dieser wurde vor allem in den Herrenhäusern der Kampos-Ebene und natürlich auch in der imposanten Kirche von Thymiana (Agios Eustratios, 1890 erbaut) verwendet und ist auch heute noch ein beliebtes Baumaterial.
Lage: etwa 8 km südlich von Chios-Stadt

Megas Limnionas

Megas Limnionas ist ein schnuckeliger kleiner Badeort mit ein wenig Infrastruktur (Mini-Markt, Tavernen) und einem kleinen, etwa 200m langen Kies-/Sandstrand. Einige kleinere Appartmentanlagen und Pensionen bieten dem Reisenden Unterkunft.
Lage: etwa 2 km südlich von Thymiana

Kloster Agios Minas

Zwischen 1572 und 1595 als Mönchskloster erbaut, wurde Agios Minas während des Unabhängigkeitskrieges im April 1822 zum Schauplatz eines der größten Verbrechens der Insel: Etwa 3000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, flüchteten sich vor den mordenden Türken in das Kloster. Als die Belagerer jedoch das Holzdach der Kirche in Brand setzten, starben fast alle der Schutzsuchenden in den Flammen. In den folgenden Kämpfen blieb nicht einmal ein Viertel der Einwohner von Chios verschont, der Rest wurde getötet oder versklavt.
Heute ist Agios Minas ein Nonnenkloster mit etwa 2 Dutzend Nonnen. Eine alte, taubstumme Nonne führt die Gäste in die Kirche mit dem Marmorboden, in den sich damals die Blutflecken eingebrannt hatten, das Beinhaus mit vielen Schädeln und Knochen der Getöteten und in den "Kloster-Shop", wo religiöse Bilder, Handarbeiten und Ikonen verkauft werden. Der wunderbare Blick über die gesamte Kampos-Ebene und Chios-Stadt mildert etwas die Beklemmung, die einen beim Gang durch das Kloster überkommt.
Lage: von der Insel-Hauptstraße zwischen Thymiana und Kalimassi links abbiegen (ausgeschildert; etwa 0,5 km nach Neochori), nach etwa 300m erreicht man das Kloster.

Folkloremuseum in Kalimassi

Dieses Folkloremuseum gehört zu den schönsten, die wir in Griechenland bisher besucht hatten. Die Lehrer und Schüler der Schule von Kalimassia haben in jahrelanger, liebevoller Suche auf der ganzen Insel, all das zusammengetragen, was das Leben der "normalen" Leute auf Chios noch vor gar nicht so langer Zeit ausgemacht hat. Man findet hier ganze Wohnungseinrichtungen und Werkstätten, eine Unmenge an landwirtschaftlichem Gerät, sogar eine komplette Taverne und natürlich alles, was mit dem Mastixanbau zusammenhängt. So manche steril aufgemachte staatliche Ausstellung könnte sich von diesem Museum eine Scheibe abschneiden. Nur im Sommer Eintrittsgebühr.
Lage: Kalimassi liegt ca. 12 km südlich von Chios-Stadt. Etwa 300m nach dem Ortsbeginn weist ein gelbes Schild zum Museum bzw. zur Schule, in deren Keller das Museum untergebracht ist.

Agia Fotia

Der kleine Ferienort mit ein paar kleinen Pensionen und Appartements, Tavernen und Mini-Markt liegt an einem der wohl schönsten Kiesstrände der Insel. Im herrlich klaren Wasser kann man wunderbar schwimmen und schnorcheln und auf den etwa 400 Metern findet man sogar im Hochsommer noch ein Plätzchen.
Lage: von der Insel-Hauptstraße zwischen Thymiana und Kalimassi etwa 1 km nach Neochori die Abzweigung nach links nehmen, nach knapp 2 km erreicht man den Ort.

Armolia

Armolia liegt in einer fruchtbaren Ebene und ist das erste Mastix-Dorf der Mastichochoria, des Mastix-Gebietes im Süden von Chios. Wie die meisten Dörfer in der Mastichochoria wurde es zwischen dem 14. und 16. Jhdt. komplett als Wehrdorf geplant und sollte so die Bewohner und ihr wertvollstes Gut - den Mastix - vor den im ganzen Mittelmeer marodierenden Piraten beschützen. In den verwinkelten, engen, gepflasterten Gässchen findet man noch viele kleine, aber verlassene und verfallene Steinhäuser.
Neben dem Mastixanbau leben heute einige Familien des Ortes vom Verkauf von Töpferwaren, deren Werkstätten am Ortsrand entlang der Hauptstraße liegen.
Lage: etwa 24 km südwestlich von Chios-Stadt an der Hauptstraße.

Kastro Apolichnon

Auf einer der höchsten Erhebungen im Süden von Chios liegt die Burg Apolichnon. Sie wurde 1440 von den Genuesern als Wachturm zum Schutz vor Piraten erbaut und bietet heute einen grandiosen Blick in das Gebiet der Mastichochoria. Einst war sie eine riesige Burganlage mit 62 Zimmern, doch heute sind nur noch die Überreste der Verteidigungstürme und vor allem die Südmauer gut erhalten.
Der Aufstieg zur Burg dauert etwa 1/2 Stunde und verläuft stellenweise etwas steiler. Man sollte daher vernünftige Schuhe anhaben und außerdem unbedingt die Mittagshitze meiden, da im oberen Teil kaum Bäume stehen, die Schatten spenden.
Lage: Westlich von Armolia auf einem Hügel über dem Dorf; der Weg zum Kastro beginnt am Nordrand des Dorfes direkt neben einer Töpferwerkstatt (ausgeschildert).

Kalamoti

Einst war das in einer fruchtbaren Ebene gelegene Dorf, das bereits im 14. Jhdt. erbaut wurde, eines der größten Wehrdörfer der Gegend. Typisch für die Bauweise der Häuser sind die schön geschnitzten Türen und die zweistöckige Bauweise: Im Erdgeschoß waren die Tiere untergebracht, darüber wohnte man. So konnte man sein Hab und Gut gegen Feinde, die bereits ins Dorf eingedrungen waren, besser verteidigen. Doch was die Piraten in Hunderten von Jahren nicht schafften, machte 1881 ein starkes Erdbeben zunichte. Es zerstörte eine große Anzahl der Häuser und machte sie unbewohnbar. Nur ein Teil der Häuser wurde wieder aufgebaut und um den historischen Ortskern herum entstand ein neues, modernes Dorf, deren Einwohner auch noch heute vom Anbau von Mastix, Baumwolle, Mandeln und Tabak leben.
Lage: etwa 2,5 km südöstlich von Armolia

Komi

Ein schöner, flacher Strand zieht sich auf etwa 1km Länge entlang einer weiten Bucht. Er gehört zu den wenigen Sandstränden auf Chios und ist nur an wenigen Stellen mit Kieseln durchsetzt. Einziger "Makel": es gibt keine Bäume, die Schatten spenden. Dafür ist Komi ein Badeort, wo auch im Hochsommer noch nicht so viel los ist. Komi ist der Hafenort von Kalamoti und außerdem bekannt für seine Wassermelonen und den Gemüseanbau.
Lage: etwa 4 km südlich von Kalamoti

Emporio

Emporio ist ein netter, winziger Ort mit einem kreisrundem Hafen, gemütlichen kleinen Hafentavernen und drei herrlichen Stränden. In der Antike war Emporio ein wichtiges Handelszentrum, es existieren noch viele Siedlungsspuren in der näheren Umgebung.
Lage: etwa 31 km südwestlich von Chios-Stadt. An der Hauptstraße zwischen Armolia und Pyrgi die Abzweigung links nehmen (direkt am Krankenhaus), nach etwa 6 km erreicht man Emporio.

Ausgrabungsstätte von Emporio: Erst seit wenigen Jahren kann man diese Ausgrabungen einer frühen ionischen Siedlung aus dem 8. Jhdt. v. Chr. besichtigen. Man hat hier die Ausgrabungen sehr ansprechend aufbereitet mit einer Videovorführung, einem Modell des Grabungsgebiets und vielen Infotafeln.
Auf dem etwa 250 Meter hohen Profitis Ilias-Hügel liegt die Akropolis mit einem Athena-Tempel aus dem 6. Jhdt. v. Chr. Die Akropolis war nur über eine 800 m lange, schlauchförmige Rampe zugänglich. Das Megaron, eines der wichtigsten Gebäude der Akropolis und Sitz des Herrschers, wurde an einer strategisch günstigen Stelle errichtet, von der aus man einen guten Überblick über den Zugangsweg und auf den Hafen von Emporio hatte. Der Tempel wurde im frühen 5. Jhdt. v. Chr. zerstört, allerdings Ende des 4. Jhdts. v. Chr. wieder aufgebaut. Die meisten Häuser der Siedlung waren kleine, rechteckige Steinhäuser, die teilweise in den Fels gebaut waren. Ein Flachdach aus Schilf, Erde und Seegras, das durch einen oder mehrere Holzbalken gestützt wurde, bildete das Dach. Manche Häuser besaßen sogar einen "Vorhof", eine Feuerstelle oder eine steinerne Bank. Auch ein Vorratshaus und eine Zisterne wurden ausgegraben. Im Sommer 2005 kostete es noch keinen Eintritt.
Lage: etwa 0,5 km außerhalb von Emporio an der Straße zwischen Emporio und Komi

Mavra Volia-Strand: Mavra Volia heißen drei hintereinander liegende Strände mit glatt geschliffenen, schwarzen Kieseln (Mavra Volia heißt "schwarze Kiesel") aus vulkanischem Gestein eines in der Nähe liegenden Vulkans. Sie gehören zu den schönsten Stränden der Insel und besitzen herrlich klares Wasser. Doch in der Mittagshitze kann es durch die schwarzen Steine schon extrem heiß werden. Leider gibt es nur am vorderen Strand Schirme und Umkleidekabinen, an den beiden hinteren Stränden ist es aber dafür auch bedeutend ruhiger.
Unter genuesischer Herrschaft wurden die Steine auf der ganzen Insel zum Pflastern geometrischer Muster verwendet, zu sehen vor allem in den Herrenhäusern der Kampos-Ebene und auf Kirchhöfen.
Lage: vom Hafen in Emporio aus führt die Straße rechts etwa 500m um eine Landzunge herum zum ersten Strand.

Dotia Tower: Der Dotia Tower steht einsam in der kargen Landschaft. Im Mittelalter diente er wohl als Fliehburg für die Bauern der Umgebung.
Der Legende nach soll hier eine Prinzessin, die sich der Zwangsverheiratung durch ihren Vater widersetzte, in äußerster Abgeschiedenheit gelebt haben.
Lage: an der Straße von Emporio nach Pyrgi zweigt eine Straße links nach Vroulidia ab. Nach etwa 2 km erreicht man den Dotia Tower rechts über einen Feldweg.

Pyrgi

Pyrgi ist das größte und bekannteste Wehrdorf der Mastichochoria und wird auch gerne das "malerische Dorf" genannt.
Grund hierfür ist die einzigartige Kratzputztechnik (Xystá), mit der die Häuser des gesamten Dorfes traditionell geschmückt werden. Woher diese Technik stammt, ist unbekannt, aber auch heute noch gibt es Künstler im Ort, die sie beherrschen.
Hierbei wird erst die Fassade mit dunklem Sand verputzt, dann geweißt und anschließend geometrische Muster aus der noch feuchten Wand herausgekratzt. Das interessante Hell-Dunkel der Quadrate, Kreise und Dreiecke, das auch mit floralen Mustern kombiniert ist, bildet einen schönen Farbkontrast zu den leuchtendroten Tomaten und Chilis, die an den schmiedeeisernen Balkonen hängen. Neben dem besonderen Flair von Pyrgi ist man sich in jedem Winkel bewusst, dass das Dorf mit den labyrinthartigen Gassen, den nach außen fenster- und türlos nebeneinander gesetzten Häusern am Dorfrand, den beiden Stadttoren und dem Fluchtturm in der Dorfmitte, früher äußerst wehrhaft gewesen sein muss.
Die etwa 50 Kirchen des Dorfes stammen zum Teil aus der Gründungszeit, wobei die kleine Agii Apostoli-Kirche aus dem 14. Jhdt. mit ihren schönen Fresken wohl zu den ältesten und wichtigsten zählt. Die kleinen, aufgefädelten Tomaten sind übrigens eine zweite "Spezialität" des Dorfes. Sie werden mit wenig Wasser gezogen, damit sie klein und aromatisch werden und als Vorrat für den Winter leichter zu trocknen sind.
Lage: etwa 30 km südwestlich von Chios-Stadt

Mitropolis-Kirche: Die Platia von Pyrgi wird von der großen Metropolis-Kirche beherrscht, der wohl einzigen Kirche der Welt, die über und über mit Kratzputz bedeckt ist. Sie stammt aus dem Jahr 1694.
Lage: direkt an der Platia von Pyrgi

Taverne Baltazar: Auf dem Balkon hat man einen schönen Blick über die Platia von Pyrgi. Maria - die "beste Köchin von Chios", wie sie selbstbewusst von sich sagt - serviert hervorragende Souzoukakia, Gouvetsi oder Gigantes. Unbedingt probieren! Gästen, mit denen sie ins Gespräch kommt, serviert sie zum Abschluss auch gerne ihren herrlichen, selbst gemachten Walnusskuchen.
Lage: direkt an der Platia von Pyrgi

Olympi

Hat man erst den Eingang auf der dem Meer abgewandten Seite gefunden, muss man sich durch ein wahres Labyrinth von Gassen finden, die so breit angelegt wurden, dass ein beladener Esel gerade noch durchpasste. Von allen anderen mittelalterlichen Mastixdörfern wirkt Olympi noch am ursprünglichsten: Bauern reiten auf ihren Eseln durch die Gassen, Frauen sortieren den Mastix vor ihrer Haustür, die Einwohner leben von der Landwirtschaft und der Bienenzucht und es geht hier überall noch ruhig und beschaulich zu. In Olympi ist, im Gegensatz zu den anderen Mastixdörfern, der alte, 20 Meter hohe Wehrturm auf der Platia noch fast vollständig erhalten. Der ganze Ort wurde zu einem mittelalterlichen Denkmal erklärt.
Lage: etwa 37 km südwestlich von Chios-Stadt bzw. 7 km westlich von Pyrgi

Höhlen von Sykia bei Olympi: Die Tropfsteinhöhle mit ihren vielen interessanten Stalaktiten- und Stalagmitenformationen gehört zu den schönsten und interessantesten in Griechenland. Erst 1985 wurde ihr Zugang zufällig entdeckt und die Forscher sind sich sicher, dass sie zuvor noch nie von einem Menschen betreten wurde.
Entstanden ist die etwa 30 x 30 Meter große Haupthöhle mit einer Tiefe von bis zu 57 Metern und mehreren kleinen Nebenkammern vor etwa 150 Millionen Jahren. Das Wachstum ihrer Kalzitformationen ist immer noch nicht abgeschlossen.
Das Besondere dieser Höhle ist das Mikroklima (Temperatur etwa 18 °C, leicht reduzierter Sauerstoffgehalt von 20,4%, extrem hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 95%), das über das Jahr hinweg fast konstant bleibt, aber sehr empfindlich ist. Deshalb ist die tägliche Besucheranzahl begrenzt und der Zugang nur über eine Luftschleuse und mit Führung möglich. Eintritt.
Lage: zwischen Pyrgi und Olympi zweigt etwa 500m vor Olympi eine asphaltierte Straße nach links ab (ausgeschildert). Nach etwa 3,5 km an der Abzweigung geradeaus weiter fahren, nach 2,5 km erreicht man die Höhlen.

Apollo-Tempel bei Kato Fana: Ganz in der Nähe von Kato Fana, dem Hafen von Olympi steht auf den Resten eines Heiligtums des Apollo Phanaios aus dem 6. Jhdt. v. Chr. eine kleine Kapelle (Agios Theodoros). Wenn man genauer hinsieht, kann man zwischen den Steinmauern außerdem noch die Reste zweier frühchristlicher Basiliken erkennen. Ein extra Ausflug über die holprige Straße hierher lohnt nicht so sehr, aber einen Abstecher nach dem Besuch der Tropfsteinhöhlen ist der Tempel sicher wert.
Lage: Zunächst wie zu den Höhlen von Olympi, an der Abzweigung jedoch links weiter fahren. Nach 2,5 km an der Abzweigung rechts und noch etwa 0,5 km weiter bis zum Tempel.

Mesta

Mesta ist das wohl am besten erhaltene Mastixdorf aus dem 14. Jhdt., das wie eine Festung angelegt ist und auch heute noch seinen mittelalterlichen Charme bewahrt hat. Von außen wirkt es bereits durch seine starke Wehrmauer, die massiven Rundtürme und die zwei gut befestigten Stadttore äußerst abweisend. Betritt man Mesta durch das nordwestliche Tor, steht man zunächst vor dem mächtigen Militas-Turm, die erste Verteidigungslinie gegen die Angriffe von Piraten. Sollte dies fehlschlagen, war Mesta den Angreifern dennoch nicht schutzlos ausgeliefert: Die Gasse teilt sich in zwei Arme, die sich wie ein Ring um den Kern des Ortes legt und nur wenige Zugänge zum Zentrum bietet. Stellen mit Steinbögen überwölbt und verbinden so die Hausdächer miteinander.
So gab es auch über den Köpfen der Angreifer eine weitere Bewegungsebene, die den Ort fast uneinnehmbar machte. Auch die Wasserversorgung folgte einem ausgeklügelten Plan: Das Wasser aus den Hauptbrunnen im Militas-Turm konnte über unterirdische Leitungen direkt in den Wehrturm umgeleitet werden und stellte bei einer Belagerung auch die Wasserversorgung der Einwohner sicher. Im "Herz" von Mesta liegen der alte Wehrturm (heute steht hier die "Große" Taxiarchis-Kirche) und die wunderschöne Platia mit zwei Tavernen, in denen man gut essen kann.
Lage: etwa 42 km südwestlich von Chios-Stadt bzw. 5 km westlich von Olympi an der Hauptstraße

Kirche Agii Taxiarchis: Die den Erzengeln Michael und Gabriel geweihte Kirche wird auch die "Große" Taxiarchis-Kirche genannt, um sie von der weitaus älteren "Kleinen" Taxiarchis-Kirche zu unterscheiden. Sie wurde zwischen 1858 und 1868 auf den Fundamenten des alten, nicht mehr genutzten und verfallenen Wehrturmes gebaut. Für den Bau scheute man keine Kosten und Mühen: Die Kirche mit ihren riesigen Ausmaßen ist die größte Kirche der Insel. Für den Bau des Glockenturms wurde ockerfarbener Stein aus Thymiana verwendet, der Vorhof ist mit geometrischen Mustern aus weißen und schwarzen Kieseln aus Emporio gepflastert. Reste der Zisterne und des Wehrturms befinden sich noch im Vorhof. Das Innere der dreischiffigen Kirche ist üppig ausgestattet, mit einer reich verzierten Ikonostase, die allerdings erst seit 1895 die Kirche schmückt.
Lage: im Zentrum von Mesta

Die Dörfer im Nordwesten der Mastichochoria

Vessa und Elata sind mittelalterliche Siedlungen, ebenfalls aus der Zeit zwischen 14. und 16, Jhdt., in denen noch Teile der Wehrtürme, Eingangstore und Befestigungsmauern zu sehen sind. Die Einwohner kultivieren neben Mastixbäumen auch Mandeln, Trauben und Oliven. Agia Irini, der Hafen von Elata, liegt in einer schönen kleinen Bucht. Limenas Meston (oder Passa Limani) ist schon seit dem Mittelalter der Hafen von Mesta. Der Mastixbaum (bot. Name: Pistachia lentiscus var. chia.) ist eine Abart des Pistazienbaumes und wird auf Chios auch "schinos" genannt. Doch nur hier im Süden von Chios und nirgendwo sonst auf der Welt sind die klimatischen und geologischen Bedingungen so optimal, so dass das Mastixharz auch aushärten und anschließend weiterverarbeitet werden kann.
Ab Mitte Juli beginnt die Ernte, die etwa bis Mitte Oktober dauert. Zunächst muss der Boden gereinigt und gekalkt werden, anschließend wird die Rinde angeritzt, damit das Harz fließen kann. Etwa 1 Monat später werden die "Tränen" gesammelt und danach mühselig von Hand sortiert und gereinigt. Mastix wird zur Herstellung von Kaugummi (ELMA), Lacken, Klebstoffen, Arzneien, Kosmetika, als Aromastoff (z.B. für den Ouzo Mastichato) und sogar bei der Herstellung von Flugzeugreifen benötigt und wird bereits seit dem 5. Jhdt. v. Chr. genutzt. Pro Jahr werden etwa 100 bis 150 Tonnen Mastix produziert.
Lage: im Nordwesten des Mastichochoria-Gebietes, etwa 25 bis 40 km südwestlich von Chios-Stadt

Lithi

Lithi ist ein kleines Dorf mit einem etwas unterhalb gelegenem Bootshafen, einigen Fischtavernen und einem schönen Sand-/Kieselstrand. Hier soll es die schönsten Sonnenuntergänge der Insel geben. In römischer Zeit war Lithi der Haupthafen der Insel, heute leben die Einwohner hauptsächlich vom Fischfang. Ein paar km nördlich von Lithi befindet sich auf der Halbinsel Trachili ein genuesischer Wachturm (Vigles), einer der wenigen noch existierenden eines ausgedehnten Netzwerkes an Wachtürmen, die zwischen dem 14. und 16. Jhdt. entlang der Küste errichtet worden sind.
Lage: an der Westküste der Insel, etwa 27 km westlich von Chios-Stadt

Avgonyma

Bereits im 11. Jhdt. wurde das Dorf, das in der Inselmitte zwischen ausgedehnten Olivenhainen und Pinienwäldern liegt, gegründet. Anfang der 1990er Jahre waren jedoch die meisten der Einwohner in die Stadt gezogen und nur noch wenige Alte lebten in Avgonyma, bis einige Stadtbewohner die Ruhe und die Schönheit des Dorfes wieder entdeckten und anfingen, die ersten Häuser zu renovieren.
Das Besondere an den Häusern in Agvonyma ist der einzigartige Baustil mit engen Gassen, höhlenartigen Häusern mit kleinen Fenstern. Daher wird Avgonyma auch oft das "Höhlendorf" genannt. Die Verwendung von Steinen aus der Umgebung machte das Dorf aus der Ferne fast unsichtbar und war ein guter Schutz gegen die Piraten im Mittelalter.
Heute steht das Dorf unter Denkmalschutz, ein paar Tavernen laden zum Verweilen ein.
Lage: etwa 19 km westlich von Chios-Stadt bzw. 6 km westlich von Nea Moni

Anavatos

Die Lage von Anavatos, das wie an den etwa 450 Meter hohen Felsens hingeklebt wirkt, ist einfach atemberaubend. Versteckt zwischen Bergen gelegen und nur von Süden aus zu erreichen ("anavo" bedeutet "klettern"), bot es bereits in byzantinischer Zeit einen sicheren Unterschlupf vor Räubern. Die Befestigung des Dorfes mit turmähnlichen, 3-stöckigen Häusern, die mit steinernen Bögen untereinander verbunden wurden, die steilen Gassen und die Fluchtburg an der höchsten Stelle waren ein zusätzlicher Schutz für die Einwohner. Doch nur wer vom Dorf wusste, konnte es auch finden. Erst durch einen Verrat war es überhaupt möglich, dass die Türken das Dorf erobern konnten. Man sagt, dass viele Frauen des Dorfes sich lieber von der Klippe stürzten, als den Feinden in die Hände zu fallen.
Heute ist Anavatos fast vollständig verlassen, nur ein paar Häuser im unteren Teil sind bereits renoviert und können besichtigt werden. Der obere Teil ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt, da Restaurierungen im Gange sind. In der Gegend werden Oliven, Pistazien und Wein angebaut und Bienen gezüchtet.
Lage: etwa 4,5 km nördlich von Avgonyma

Kloster Agii Pateres

Das 1688 gegründete Männerkloster wird heute noch von ein paar Mönchen bewohnt. Daher achten die Patres hier auch auf strikte Einhaltung der Kleidervorschriften: Frauen müssen mindestens einen knielangen Rock (keine Hosen!) und lange Blusenärmel anhaben, Männer lange Hosen. Leihkleidung steht aber wie in den meisten Klöstern bereit. Auch das Fotografieren ist nicht erlaubt.
Eine neue, riesige Kirche, die 1868 erbaut wurde, steht auf einer Terrasse oberhalb der kleinen, sehenswerten Höhlenkirche der drei Eremiten Nikitis, Iosephi und Ioannis, die das in Sichtweite gelegene Kloster Nea Moni gründeten.
Lage: etwa 13,5 km westlich von Chios-Stadt bzw. 0,5 km westlich der Abzweigung nach Nea Moni führt eine etwa 2 km lange Stichstraße zum Kloster.

Kloster Nea Moni

Das Kloster Nea Moni liegt sehr reizvoll von Zypressen umgeben in einem kleinen Tal und gehört wegen der bedeutenden Goldmosaiken aus dem 11. Jhdt., die sich in der Klosterkirche befinden, zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Insel.
Erbaut wurde das Kloster Mitte des 11. Jhdt. vom byzantinischen Kaiser Konstantin IX. Monomachos als Erfüllung eines Gelübdes. Auf dem riesigen Klostergelände findet man neben der Hauptkirche mit ihrem schönen Glockenturm und dem typisch byzantinischen achteckigen Grundriss noch zwei kleinere Kirchen, die Mönchsunterkünfte, den Speisesaal der Mönche, eine gut erhaltene Zisterne und ein Museum. Der Verteidigungsturm und die umgebenden Steinmauern zeigen, dass die Mönche sich gegen Angreifer zu wehren wussten. Doch während des Türkenmassakers 1882 kamen hier über 3500 Menschen ums Leben, die sich hierher geflüchtet hatten. Ihre Gebeine und Schädel sind in Vitrinen in der kleinen Kapelle neben dem Eingangstor zu sehen.
Leider ist Nea Moni oft voller Touristen, da es zum Programm der meisten Touristenausflüge gehört. Zudem wird die Hauptkirche noch bis voraussichtlich Ende 2007 renoviert. Weltkulturerbe der UNESCO.
Lage: etwa 13 km westlich von Chios-Stadt führt eine etwa 2 km lange Stichstraße (ausgeschildert "Monastery") zum Kloster.

Kloster Agios Markos

Das Kloster Agios Markos liegt auf einem kleinen Hügel und bietet einen wunderbarer Ausblick auf die Ostküste der Insel.
1886/1835 wurde das Kloster mit seiner hübschen kleinen Kirche vom Asketen und Parthenios erbaut, ein Mönch des Nea Moni-Klosters, der sich in eine in der Nähe gelegenen Höhle zurückgezogen hatte. Der hl. Parthenios ist in einem Marmorsarkophag in der Kirche beigesetzt. Heute leben nur noch 2 Mönche im Kloster.
Besonders schön ist der kleine, fröhlich bemalte Innenhof, in dem sich auch die Katzen wohlzufühlen scheinen. Der Verwalter des Klosters schließt die Kirche für Besucher auf, kümmert sich um "schickliche" Kleidung und bietet einem nach dem Besuch meist ein paar Süßigkeiten (Glykia) an.
Lage: etwa 12 km westlich von Chios-Stadt führt eine knapp 1 km lange Stichstraße hinauf zum Kloster (beschildert).

Daskalopetra (Petra tou Omirou)

Auf diesem kleinen Plateau am Fuße des Berges Epos soll der Legende nach der antike Dichter Homer seine Schüler unterrichtet haben, nachdem er von der Halbinsel Erithrea (Kleinasien) nach Chios kam. Auf dem knapp 1 Meter hohen Lehrer-Felsen (das bedeutet nämlich "daskalopetra") soll er gesessen haben, seine Schüler auf der Sitzreihe gegenüber. Doch heutige Forschungen lassen eher vermuten, dass hier ein Cybele-Heiligtum (Muttergöttin) war. Denn der Felsen ist mit Löwentatzen verziert, ein deutlicher Hinweis auf einen Altar der Göttin.
Lage: am nördlichen Ortsrand von Vrontados, etwa 7 km nördlich von Chios-Stadt. Mit "Sanctuary of Cybele" beschildert.

Lagada

Lagada ist eines der schönsten Fischerdörfer der Insel. Wie ein antikes Theater wurden die Häuser rund um die kleine Bucht gebaut. Der Hafen liegt interessanterweise am Rand, in der Mündung des Flusses Krikelis.
Sehenswert sind auch die Kirchen, Agia Sophia am Hafen und Agios Ioannis am oberen Ortsrand und die Windmühlen etwas außerhalb. Einige Strandtavernen und Cafés an der Hafenpromenade bieten schönem Blick auf das Meer, Tourismus gibt es hier jedoch fast keinen.
Lage: etwa 17 km nördlich von Chios-Stadt.

Kardamyla/Marmaro

Der Ort besteht aus mehreren Teilen: Ano Kardamyla ist das "alte" Dorf am Fuße eines steilen Hügels mit engen Gassen und einer Bevölkerung, die immer mehr in den neuen Ortsteil am Meer zieht.
Darüber liegt der fast vollständig verlassene Ortsteil Spilia mit den sehenswerten alten Gebäuden aus dem 16. und 17. Jhdt. Auf dem Hügel über dem Dorf thront eine Burg, Gria's Castle, die im November 1912 während der Befreiungskriege eine wichtige Rolle spielte, denn als einzige Festung konnte sie von den Türken nie erobert werden.
Unten am Meer liegt in einer wunderschönen Bucht mit einem großen Hafen das neue Dorf Marmaro (manchmal auch Kato Kardamyla genannt), aus dem eine große Anzahl der griechischen Reederfamilien stammen.
Hier kann man noch viele elegante Häuser finden, die sich wohlhabende Reeder bauen ließen. Auch heute noch ist die Schifffahrt die wichtigste Einkommensquelle.
Lage: Ano Kardamyla etwa 26 km nördlich von Chios-Stadt, Marmaro liegt etwa 2 km nordöstlich von Ano Kardamyla.

Pitios

Pitios ist ein absolut einsam gelegenes kleines Dorf, das sich an einen Hügel anschmiegt. Durch verwinkelte, labyrinthartige Gassen gelangt man zur am oberen Dorfrand gelegenen byzantinischen Fliehburg. Daneben steht eine halb verfallene, aber pittoreske Windmühle und eine Kirche. Pitis bedeutet "Pinie", ein Hinweis darauf, dass es hier früher einmal Pinienwälder gegeben haben muss. Heute leben die Einwohner von der Landwirtschaft (Feigen, Mandeln, Oliven und Obst) und der Viehzucht.
Lage: etwa 25 km nordwestlich von Chios-Stadt, an der Verbindungsstraße zwischen Kardamyla und Agios Issidoros

Moundon-Kloster

Das heute verlassene, teilweise verfallene Kloster wurde im 15. Jhdt. erbaut und war nach Nea Moni einmal das wichtigste Kloster der Insel, bis es 1822 von den Türken zerstört wurde. Es wurde danach wieder aufgebaut und 1849 mit interessanten Fresken ausgeschmückt. Das Kloster wurde später wieder aufgegeben und verfiel. Heute ist es jedoch ein Ort der Ruhe. Nur am 29. August, dem Fest des Heiligen Ioannis Prodromos (Johannes dem Täufer), kehrt hier wieder Leben ein, wenn das Dorf Dievcha seinen Schutzheiligen feiert.
Lage: Von der Hauptstraße zwischen Chios-Stadt und Volissos zweigt etwa 29 km von Chios-Stadt bzw.etwa 11 km östlich von Volissos eine Straße nach Dievcha/Kipouries ab. Nach gut 2 km liegt das Kloster linkerhand, direkt an der Abzweigung zum Ort Dievcha. Achtung: das Kloster ist auf den meisten Karten fälschlicherweise kurz vor dem Ort Kipouries eingezeichnet!

Volissos

Volissos ist eine der ältesten Siedlungen im Nordwesten von Chios. Der Überlieferung nach lebte hier der blinde Dichter Homer um 800 v. Chr., es gibt sogar "Homer's Haus", in dem er einst gewohnt haben soll. Die Burg (Pirgos) aus dem 11. Jhdt. mit ihren 6 Rundtürmen thront imposant über dem Ort, denn die Erbauer sahen hier eine perfekte Lage mit einem weiten Rundumblick über Land und Meer. Auch ein Archäologisches Museum gibt es im Ort - die Öffnungszeiten sind allerdings vor allem im Spätsommer unregelmäßig. In Volissos entstehen in den letzten Jahren anspruchsvolle Unterkünfte; vor allem im Pirgos-Viertel neben der Burg werden alte Häuser stilvoll restauriert und zu Unterkünften umgebaut. Die in unmittelbarer Nähe zu Volissos gelegenen Strände Limnos und Lefkathia sind herrliche Sand-/Kiesstrände und gehören zu den schönsten Stränden der Insel.
Lage: etwa 40 km nordwestlich von Chios-Stadt

Wanderung durch das Malagiotis-Tal

Eine einfache Wanderung auf einem Feldweg, an dem die Ruinen der Wassermühlen nur wenige Schritte entfernt liegen, verläuft durch das Tal des Flusses Malagiotis. Den Weg beginnt man am besten an der Kirche Agios Georgios Vasilikos. Nach etwa 500 m erreicht man bereits die erste Wassermühle, die wie alle anderen, ein paar Schritte links des Weges liegt (Schilder weisen hier den Weg). Etwas später sieht man vom Weg aus die Reste der Wasserleitung, einige 100m weiter ist schon die 2. Mühle, die von allen noch am besten erhalten ist. Sie hat als einzige noch ein Dach, der Mühlstein und der Feuerplatz sind ebenso erhalten. Die 3. Mühle ist eine Ruine, die 4. findet man am Ende des Wirtschaftsweges. Ab da ist der Weg nur noch ein Pfad, der entlang des Flussbettes verläuft. Wer will, geht hier weiter zu einer Kirche und der 5. Mühle, man kann aber vor hier aus auch wieder nach Volissos zurückkehren.
Lage: an der "Umgehungsstraße", die östlich von Volissos verläuft, zweigt rechts ein Feldweg ab (Holzschild mit Hinweis auf den "Trail"). Dieser ist bis zur Kirche gut mit dem Auto befahrbar.

Kloster Agia Markela

Agia Markela ist ein gut besuchtes, quirliges Wallfahrtskloster. Das Klostergelände ist ziemlich groß, es gibt hier sogar einen großen Gästetrakt. Für das leibliche Wohl der vielen griechischen Touristen, die in Reisebussen angekarrt werden, sorgt eine große Taverne vor dem Kloster, ein langer Strand lädt zum Baden ein.
Die Patronin des Klosters, die Heilige Markela, war eine christliche Märtyrerin, die von ihrem Vater gezwungen wurde, ihrem Glauben abzuschwören. Als sie sich weigerte, wurde sie von ihm am Ufer des Meeres enthauptet. Bald darauf soll an eben dieser Stelle eine eisenhaltige, warme Quelle (Agiasma) entsprungen sein, die wundertätig war und Lahme heilte. Man baute der Heiligen daher eine kleine Kapelle und später eine große Wallfahrtskirche in der Nähe. Traditionell findet am 22. Juli, dem Namenstag der Hl. Markela, die wichtigste Wallfahrt der Insel statt, bei der die Gläubigen zu Fuß von Chios-Stadt nach Agia Markela pilgern.
Lage: etwa 6 km westlich von Volissos

Agio Gala

In Agio Gala sind die byzantinische Kirche Panagia Agiogalousena (13. Jhdt.), die Tropfsteinhöhle und die kleine Kapelle Agios Thalelaios sehenswert. Eine Legende besagt, dass eine Prinzessin, die an Lepra erkrankt war, sich in die Einsamkeit der Höhle zurückzog. Sie wurde von der Heiligen Milch (Agio Gala) der Gottesmutter, die nichts anderes als kalkhaltiges Wasser waren, das von den Stalagtiten heruntertropfte, geheilt. Die Agiogalousena-Kirche wurde direkt in den Felsen und vor dem Eingang einer Tropfsteinhöhle gebaut.
Über einen kleinen Tunnel gelangt man in die kleine Höhlenkapelle Agia Anna. In der Tropfsteinhöhle wurden Siedlungsspuren gefunden, die auf etwa 6000 v. Chr. datiert wurden. Die Höhle wird momentan weiter erforscht und für Besucher erschlossen. In der Thalelaios-Kapelle gibt es eine schöne, holzgeschnitzte Ikonostase aus dem Jahr 1711, die als die älteste Holzikonostase der Insel gilt, und alte, rußgeschwärzte Fresken aus dem 17. Jhdt.
Lage: etwa 26 km nördlich von Volissos

Dörfer im Norden

Fährt man von Volissos aus im Uhrzeigersinn rund um den über 800 m hohen Berg Amani, durchfährt man die kleinen, ärmlichen Dörfer Pirama, Parparia, Trypes, Melanios, die hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Olivenanbau leben. Noch einsamer wird die Besiedelung östlich von Agio Gala, wo nur die Dörfer Agiasmata (warme, eisenhaltige Heilquellen; Kurort, der allerdings nur während des Sommers bewohnt ist) und Keramo (Antimonbergwerke) eine Erwähnung wert sind. Über Afrodissia, Chalandra und Nea Potamia kommt man wieder zurück nach Volissos.
Lage: an der Ringstraße um den Berg Amani, die sich von Volissos aus gut 50 km in vielen Kehren und Kurven durch die Landschaft schlängelt.


Übersicht Routen

Routenvorschläge Chios

11 Tagesausflüge

Ausflug 1: Stadtbummel in Chora (Chios-Stadt)
Platia Vounakiou - Große Moschee - öffentlicher Park - Melek-Pascha-Brunnen - Kastro-Viertel - Guistiniani-Palast - Odos Aplotarias - Hafen und Prokymea

Ausflug 2: Museentag in Chios-Stadt
Archäologisches Museum - Korais-Bibliothek und Folklore-Museum - Schifffahrts-Museum

Ausflug 3: Im Umland von Chios-Stadt
Treis Miloi - Daskalopetra - Kampos-Ebene

Ausflug 4: Klöster und Bergdörfer im Zentrum der Insel
Kloster Agios Markos - Kloster Nea Moni - Kloster Agii Pateres - Avgonyma - Anavatos - Lithi

Ausflug 5: Zwischen Chios-Stadt und Mastixgebiet
Karfas - Thymiana - Megas Limnionas - Kloster Agios Minas - Folkloremuseum in Kalimassi - Agia Fotia

Ausflug 6: Die Wehrdörfer der Mastichochora
Pyrgi - Olympi - Mesta

Ausflug 7: Unterwegs im Mastixgebiet
Armolia - Kastro Apolichnon - Kalamoti - Vessa - Elata - Agia Irini - Limenas Meston

Ausflug 8: Im Süden von Chios
Komi - Ausgrabungsstätte von Emporio - Mavra Volia-Strand - Dotia Tower - Kato Fana - Höhlen von Sykia

Ausflug 9: Der Norden
Lagada - Ano Kardamyla - Marmaro - Gria's Castle - Pitios

Ausflug 10: Rund um Volissos
Moundon-Kloster - Volissos - Wanderung durch das Malagiotis-Tal - Kloster Agia Markela

Ausflug 11: Rundfahrt im Nordwesten
Pirama, Parparia, Trypes, Melanios - Agio Gala - Agiasmata, Keramo, Afrodissia, Chalandra, Nea Potamia

Hinweis: Die Routenvorschläge setzen in der Regel voraus, dass Sie einen fahrbaren Untersatz (Mietauto, Mietmotorrad) zur Verfügung haben


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