Funchal

In einer geschützten, wie ein Amphitheater sich ausbreitenden Bucht im Süden der Insel liegt die Inselhauptstadt Funchal. Früher wuchs an dieser Stelle wohl Fenchel, denn vom portugiesischen Wort ("funcho" = Fenchel) soll sich auch der Name der Stadt herleiten lassen.

In Funchal schlägt das Herz der Insel, hier wohnt auch fast die Hälfte der Inselbewohner. Geschäfte, Museen, Cafés, prächtige Quintas, Parks und historische Gebäude machen die Altstadt von Funchal für Einheimische und Touristen zu einem beliebten Anziehungspunkt.

Wer sich mit dem Auto hierhertraut, sollte nicht zu spät dran sein, denn ein beliebter Spruch besagt, dass jeder Madeirenser im Laufe des Tages mindestens ein Mal die Hauptstadt besucht.




Funchal

Als Joao Goncalvez Zarco im Jahr 1419 die Insel entdeckte, war das Tal von Funchal noch über und über mit Fenchelstauden bedeckt, was der Stadt ihren Namen gab ("funcho" ist das portugiesische Wort für Fenchel).
Doch Zarco erkannte die ideale geographische und klimatische Lage der Bucht, von der aus sich das Tal wie ein Amphitheater hinauf bis in die Berge zieht, so dass er bereits 1425 den Ort zur Hauptstadt seiner Inselhälfte machte. Im Jahr 1508 wurde Funchal zur Stadt, 1514 zur Bischofsstadt erhoben. Die größte Bedeutung erlangte Funchal im 15. und 16. Jhdt. als die Stadt durch den Zuckerhandel florierte und die größten Bevölkerungszuwächse hatte.
Hieran erinnern noch heute die 5 Zuckerhüte im Stadtwappen. Heute ist Funchal sowohl Inselhauptstadt als auch die bei weitem größte Stadt auf Madeira (120.000 Einwohner). Bei einem Spaziergang durch das historische Zentrum der Stadt kann man noch so manches alte Gebäude aus der Zeit des Zucker- und Weinbooms vergangener Jahrhunderte entdecken.
Lage: an der Südküste Madeiras

Parque de Santa Catarina: Der Santa-Catarina-Park mit seinen exotischen Bäumen und Pflanzen, dem idyllisch gelegenen See in der Mitte, den schön gestalteten Blumenbeeten und dem herrlichen Blick über den Hafen wurde im Jahr 1966 auf einer Fläche von über 36.000 qm angelegt.

Sehenswert sind daneben die kleine Capela de Santa Catarina, die im 17. Jhdt. über den Grundmauern einer 1425 von der Familie Zarco erbauten Kirchleins errichtet wurde, das Denkmal von Christoph Kolumbus, die überlebensgroße
Statue eines Sämanns und die Quinta Vigia, die heute Amtssitz des Präsidenten von Madeira ist.

Lage: am westlichen Ende der Avenida do Mar zwischen der Avenida do Infante und der Avenida Sa Carneiro

Palacio de Sao Lourenco: Aufgrund der immer häufiger vorkommenden Piratenüberfälle wurde in Funchal zwischen 1529 und 1540 diese Festungsanlage gebaut. Vorher existierte hier nur ein von König Manuel I. 1513 in Auftrag gegebener Festungsturm, der noch heute im östlichen Teil des Palastes zu sehen ist.
Doch auch die neue Festung konnte 1566 den Angriffen französischer Piraten nicht standhalten, so dass die Verteidigungsanlagen sowohl im 16. und 17. Jhdt. und bis ins 19. Jhdt. hinein in mehreren Bauphasen nach und nach erweitert und vergrößert wurden. Das Fortaleza de Sao Lourenco diente neben der Verteidigung Funchals auch den Gouverneuren und Kommandanten der Insel als Residenz, später wurde es zur Nationalresidenz.
Heute dient der Palast der Regierung Madeiras zu Repräsentationszwecken, beherbergt eine Ausstellung zur Geschichte der Festung und ist Sitz verschiedener Militärdienststellen.
Lage: an der Hafenpromenade (Avenida do Mar/Ecke Avenida Zarco)

Igreja da Sé (Kathedrale): Sé ist eine Abkürzung für das lateinische Wort "sedes", was soviel wie Bischofssitz bedeutet. Die dreischiffige Kathedrale wurde zwischen 1485 und 1514, im Auftrag von König Manuel I., erbaut und gehört zu den bedeutendsten manuelinischen Baudenkmälern Portugals.
Besonders bemerkenswert sind die mit Intarsien aus Elfenbein geschmückte Zedernholzdecke (aus dem Holz der Madeira-Zeder, einer Wacholderart) aus dem 16. Jhdt., das Taufbecken und das manuelinische Chorgestühl aus Ebenholz. Die Natursteinfassade der Kirche ist eher schlicht, nur an der Apsisseite finden sich kleine Türmchen und eine verspielte Brüstung.
Lage: an der Avenida Arriaga/Rua da Sé

Zuckermuseum (Núcleo Museológico "A Cidade do Açúcar"): Die Ausstellung im Zuckermuseum, das im ehemaligen Haus des flämischen Händlers Joao Esmeraldo eingerichtet wurde, erzählt von der Bedeutung des Zuckeranbaus und -handels und dessen Einfluss auf Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft Madeiras während des Zuckerbooms der 15. und 16. Jhdts. Zu den Ausstellungsstücken zählen neben Gemälden, Stichen, Skulpturen und Zuckerformen auch Reste des Stadtpalasts, in dem Kolumbus während eines seiner Aufenthalte auf Madeira gewohnt hat. Montag bis Freitag geöffnet, Wochenende und Feiertage geschlossen. Eintritt.
Lage: Praca Colombo 5 (von der Sé aus der Rua da Sé etwa 100 Meter Richtung Osten folgen)

Weinmuseum (Museu do Vinho): Im Erdgeschoss dieses neoklassizistischen Stadtpalasts aus den 19. Jhdt., in dem einst das britische Konsulat untergebracht war, ist heute ein kleines Weinmuseum eingerichtet.
Hier kann man anhand von Illustrationen, Fotografien, alten Weinpressen, Etikettiermaschinen und sonstigen Gerätschaften eines Winzers einen guten Einblick in den Anbau und die Herstellverfahren des Madeira-Weins erhalten und natürlich auch den Madeira-Wein verkosten. Im gleichen Gebäude ist auch der Sitz des Weininstituts von Madeira, das u.a. die Qualität des Madeiraweines kontrolliert. Wochentags (Montag bis Freitag) geöffnet. Eintritt frei.
Lage: an der Rua 5 de Outubro 78 (etwa 200 Meter nördlich des Rathauses)

Mercado dos Lavradores: Der Markthalle des "Arbeitermarkts" von Funchal wurde 1941 eröffnet. Schon am Eingang fallen die beiden schönen Kachelbilder auf, im Inneren erinnert der Stil noch ein wenig an das Art déco. Ein Besuch lohnt sich vor allem vormittags, wenn die Blumen-, Obst- und Gemüsehändler auf zwei Etagen eine schier unüberschaubare Fülle an tagesfrischen Produkten in ihren schön arrangierten Verkaufsständen anbieten.

Doch man muss schon aufpassen, nicht übers Ohr gehauen zu werden, denn die Markthändler lassen einen ganz großzügig von allem probieren, schlagen dann aber gerne einen gesalzenen "Touristenbonus" auf die Preise auf.

In der Fischhalle, zu der man über ein paar Treppenstufen vom Innenhof des Marktes aus gelangt, findet man neben riesigen Tunfischen, bunten Meeresfischen und Meeresfrüchten auch die typischen Degenfische mit ihren schwarzen Leibern, spitzen Zähnen und enorm großen Augen. Geöffnet täglich außer sonn- und feiertags.

Lage: Largo dos Lavradores, an der Rua Brigadeiro Oudinot/Ecke Rua Latino Coelho

Botanischer Garten (Jardim Botanico): Der botanische Garten von Funchal, der im Jahre 1960 in einer Höhe von 150 bis 300 m über der Bucht von Funchal angelegt wurde, ist mit seinen über 2000 verschiedenen Pflanzen aus aller Welt und aus allen warmen und heißen Klimazonen ein wahres Paradies für Pflanzenliebhaber. Vom Aussichtspunkt am westlichen Ende des Parks hat man zudem einen herrlichen Blick über Funchal und die Schlucht der Ribeira Joao Gomes. Früher gehörte das 80.000 qm große Gelände der Hotelbesitzerfamilie Reid, die hier 1881 ihre "Quinta do Bom Sucesso" bauen ließ. Die klimatischen Voraussetzungen des Geländes waren geradezu ideal für die Anlage dieses botanischen Gartens.
Die Hauptbereiche des botanischen Gartens umfassen ein Arboretum mit Bäumen aus aller Welt, einen Bereich mit endemischen Pflanzen, die nur auf Madeira und in Macaronesien heimisch sind, einem großen Sukkulentenbereich mit Kakteen und verschiedenen Aloe Vera-Arten, eine Sammlung von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen - vom Weinstock bis zur Maracuja -, einen Abschnitt mit Medizin- und Aromapflanzen und eine Palmensammlung. Schilder an den Pflanzen informieren den Besucher über Herkunft und Namen der Pflanzen. Täglich geöffnet. Eintritt.
Lage: an der Caminho do Meio, ca. 3 km nordöstlich des Stadtzentrums.

Papageienpark (Jardim dos loiros): Der Papageienpark besitzt ca. 300, vorwiegend exotische Vogelarten wie Papageien, Loris, Aras, Sittiche oder Kakadus, aber auch seltene Vogelarten. Die Vögel stammen vorwiegend aus den tropischen Gebieten Asiens und Australiens. Schautafeln an den Käfigen informieren über die Verbreitung und Besonderheiten der jeweiligen Vogelart.
Lage: am Südende des Botanischen Gartens

Seilbahnen nach Monte (Teleferico): Früher konnte man Monte von Funchal aus nur zu Fuß, per Ochsenschlitten, mit Trägern (in Hängematten!) oder seit 1894 auch über eine Zahnradbahn erreichen. Der heutige Reisende kann das Bergdorf zwar nicht ganz billig, aber viel bequemer über zwei Seilbahnstrecken erreichen. Die eine bringt einen von der Altstadt von Funchal aus über eine Strecke von über 3,5 km und ca. 560 Höhenmeter in knapp 15 Minuten nach Monte. Die zweite Strecke beginnt am oberen Ende des Botanischen Gartens und ist mit 1,6 km nur halb so lang, aber nicht weniger spektakulär. Von den Seilbahnen aus hat man einen herrlichen Panoramablick auf die teilweise bis zu 100 m tiefer liegenden Täler, kleine Levadas und Wälder. Täglich von 9:30 bzw. 10:00 bis 17:45 Uhr, außer am 25. Dezember.
Lage: Bergstation an der Caminho das Babosas 8 in Monte, Talstationen am Jardim Botanico und in der Altstadt an der Rua D. Carlos I (im Parque Almirante Reis)

Monte

Auf 550 m Höhe und 6 km nördlich von Funchal liegt dieses kleine, romantische Bergdorf. Die spektakuläre Lage, das gute Klima und die reiche Vegetation ließen Monte schon im 18. Jhdt. zum Lieblingdomizil reicher Europäer und der madeirensischen High-Society werden. Schon 1894 wurde der beschwerliche Aufstieg per Träger oder Ochsenschlitten von einer dampfbetriebenen Zahnradbahn abgelöst, die jedoch nach einem schweren Unfall ab 1943 nicht mehr benutzt wurde. Der alte Bahnhof und die Eisenbahnbrücke an der Largo da Fonte sind noch heute zu sehen.
Der letzte österreichische Kaiser, Karl I., fand nach seiner Absetzung im 1. Weltkrieg auf Madeira Exil, wo er in der alten Quinta do Monte Zuflucht fand (das verfallene Anwesen wurde wieder restauriert, heißt nun "Quinta Jardims do Imperador" und kann auch besucht werden). Er starb jedoch schon 6 Monate später an einer Lungenentzündung und wurde in der Kirche "Nossa Senhora do Monte" begraben. Neben der Kirche ist auch der orientalisch angelegte Garten des Jardim Monte Palace sehenswert.
Nach einem ausgiebigen Spazierganz durch Monte geht es mit den berühmten Korbschlitten oder der Seilbahn wieder hinunter nach Funchal.
Lage: 6 km nördlich von Funchal

Kirche Nossa Senhora do Monte (Unsere Liebe Frau von Monte): Die Kirche von Monte, die Maria, der Schutzpatronin der Insel gewidmet ist, ist jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt (15. August) Schauplatz einer großen Inselwallfahrt (Romaria). Am Vorabend des Festes kann man in der Prozession viele Pilger beobachten, die die 74 Treppenstufen zur Kirche hinauf auf Knien überwinden.
Das in einem juwelenbesetzten Silberschrein ausgestellte Gnadenbild der Jungfrau Maria, das noch aus der alten Kirche aus dem 15. Jhdt. stammt, ist das Ziel der Pilger, denn es soll wundertätig sein. Gefunden wurde es an der Stelle, an der einem Hirtenmädchen einst die Muttergottes erschien. Als 1803 starke Regenfälle die Stadt Funchal schwer verwüsteten, flehten die Einwohner zur Jungfrau Maria - und der Regen hörte auf. Doch ein Erdbeben zerstörte wenig später die Kirche, die 1818 neu geweiht wurde. In einer Seitennische ist der 1922 in Monte gestorbene Kaiser Karl I. von Österreich beigesetzt.
Lage: Oberhalb des Largo da Fonte

Korbschlitten: Am Fuß der Kirche von Monte ist der Abfahrtspunkt der traditionellen Korbschlitten, wohl eine der aufregendsten Möglichkeiten, wieder hinunter nach Funchal zu gelangen. Die 2- oder 3sitzigen Schlitten (carrinhos de cesto), die aus Weiden geflochten sind und auf hölzernen Kufen gleiten, werden von 2 Männern (carreiros), die traditionell mit weißen Hemden und Hosen und runden Stohhüten bekleidet sind, durch die Seitengassen mit speziellem "Ochsenfuß-Pflaster" etwa 2 km weit nach Funchal hinabgesteuert. Dabei werden Geschwindigkeiten von über 40 km/h erreicht, gesteuert und gebremst wird nur mit den Gummisohlen der Stiefel!
Der Spaß ist nicht ganz billig, aber wer den Nervenkitzel sucht ... Bereits 1850 tauchten die ersten Korbschlitten auf, in denen die Bewohner von Monte zumindest den Weg nach unten schnell und bequem zurücklegen konnten.
Lage: Abfahrtspunkt am Fuße der Kirche Nossa Senhora do Monte, entlang der Rua de Santa Luzia bis zum Endpunkt an der Estrada do Livramento


Übersicht Routen

Routenvorschlag Funchal

3 Tagesausflüge

Ausflug 1: Im Zentrum von Funchal
Parque de Santa Catarina - Entlang der Strandpromenade - Palacio de Sao Lourenco - Kathedrale Igreja da Sé - Zuckermuseum - Weinmuseum - Mercado dos Lavradores

Ausflug 2: Der Botanische Garten von Funchal
Botanischer Garten - Papageienpark

Ausflug 3: Nach Monte
Mit der Seilbahn nach Monte - Kirche Nossa Senhora do Monte - Mit dem Korbschlitten oder der Seilbahn zurück nach Funchal


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