Geschichte - Madeira



Das heutige Gesicht Madeiras


Das heutige Gesicht Madeiras

Heute gehört Madeira als sogenannte "Autonome Region" zu Portugal und besitzt eine eigene regionale Regierung, die eigene Vertreter in das portugiesische Parlament entsendet - ist also am ehesten mit dem englischen "Commonwealth" vergleichbar. Seit 1986 ist Portugal Mitglied der EU.

Madeira besitzt - zusammen mit Porto Santo, den Desertas-Inseln und einigen kleineren Inseln - eine Gesamtfläche von fast 750 Quadratkilometern und liegt knapp 1000 Kilometer von Lissabon und 600 km von der afrikanischen Küste entfernt im Atlantik. Etwa 260.000 Einwohner leben auf den Inseln Madeira und Porto Santo, die restlichen Inseln sind unbewohnt. Die Hauptstadt des Archipels ist Funchal, wo auch fast die Hälfte der Einwohner lebt.

Madeira, die Hauptinsel, ist knapp 55 km lang und etwa 23 km breit, Porto Santo ist nur 11 mal 6 km groß. Durch den vulkanischen Ursprung ist Madeira extrem gebirgig, der höchste Berg, der Pico Ruivo, ist 1862 Meter hoch. Mit dem 580 Meter steil abfallenden Cabo Girao besitzt Madeira auch die zweithöchste Steilküste der Welt. Madeira besteht, vereinfacht gesagt, aus zwei Klimabereichen: dem wasserreichen Norden und dem eher trockenen Süden. Um das Wasser aus dem wasserreichen Norden in den Süden zu leiten, wurden bereits im 15. Jhdt. die ersten Levadas angelegt, die zwischenzeitlich auf eine Gesamtlänge von 1400 km angewachsen sind. Eine weitere Besonderheit Madeiras ist - neben der äußerst artenreichen Blumenwelt - der in Europa einzigartige Lorbeerwald.

Auch wenn Madeira heute sehr portugiesisch wirkt, stammt die Bevölkerung nicht nur von Portugiesen sondern auch von Spaniern, Italienern, Flamen und Engländern ab. Doch auch aus Spanien vertriebene Mauren und Juden und schwarze Sklavenarbeiter aus Afrika trugen zur Entstehung einer Mischbevölkerung bei. Die Sprache ist durchweg Portugiesisch, wenn auch mit zum Teil deutlich erkennbarem Akzent. Der größte Teil der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an.

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Madeiras ist, neben dem Tourismus, die Landwirtschaft. Der Madeira-Wein nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein, doch auch Obst und Gemüse, hauptsächlich im Terrassenanbau, spielen eine wichtige Rolle. Doch auch kunstgewerbliche Erzeugnisse, z.B. Stickereien und Korbwaren, sind wichtige Exportgüter. Die noch immer sehr fischreichen Gewässer des Atlantik bescheren den Fischern hohe Erträge.


Die Geschichte Madeiras


Erste urkundliche Erwähnung (1351)

Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass Madeira schon in der Antike bekannt war. Doch dass die Phönizier das Archipel bereits im 6. Jhdt. v. Chr. entdeckt haben sollen, ist nur Spekulation.
Bisher jedenfalls wurden noch keine Hinweise auf eine Besiedelung aus dieser Zeit nachgewiesen. Die Erwähnung einer "Isola di Legname" (Holzinsel) im Jahr 1351 auf einer florentinischen Seekarte ist jedoch der erste gesicherte Hinweis auf die Entdeckung Madeiras, die wohl zu Beginn des 14. Jhdts. erfolgte.
Trotzdem blieb die Inselgruppe nach ihrer Entdeckung noch für einige Jahrzehnte unbesiedelt.


Besitznahme und Besiedelung durch die Portugiesen (1418-1580)

Im Jahr 1418 beauftragte der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer die portugiesischen Seefahrer Joao Goncalves Zarco und Tristao Vaz Teixeira mit der Erforschung und Besitznahme der Inselgruppe.
Schon bald darauf kamen die ersten Siedler, später wurden auch viele Negersklaven auf die Inseln gebracht, um den Bau eines großen Hafens und die Urbarmachung des Landes voranzutreiben. Durch Brandrodung entstanden große Flächen für die Viehzucht und den Getreideanbau, die ersten Levadas wurden angelegt, um das Wasser aus dem Norden in den Süden der Insel zu leiten.

Später brachte der Anbau von Zuckerrohr der Insel großen Reichtum, sogar Christoph Kolumbus lebte als Zuckerhändler einige Jahre auf Madeira. Doch die Konkurrenz der überseeischen Zuckerproduktion in den Kolonien und die zunehmenden Piratenüberfälle leiteten das Ende der Blütezeit ein. Auch der beginnende Weinanbau konnte die schwindende Bedeutung nun nicht mehr aufhalten.


In spanischem Besitz (1580-1668)

Als im Jahr 1580 das portugiesische Königshaus ausstirbt, fällt Portugal zusammen mit Madeira an die spanische Krone.
In dieser Zeit wurden wegen der immer häufiger werdenden Piratenüberfälle mehrere Befestigungsanlagen erbaut, unter anderem die Fortaleza de Sao Lourenco in Funchal.

Erst Mitte des 17. Jhdts. konnte das Königshaus von Braganza durch kluge Heiratspolitik das mächtige England dazu bewegen, Portugal (und auch Madeira) zurückzuerobern und so die Unabhängigkeit Portugals von Spanien zu erreichen.


Unter englischem Einfluss (1668-1814)

Ein Handelsabkommen mit England lockte viele britische Weinhändler auf die Insel - der berühmte Madeira-Wein trat schon bald seinen Siegeszug durch die ganze Welt an.
Während des französisch-englischen Krieges wurde Portugal von den Franzosen besetzt. England, als Verbündeter Portugals, stationierte daraufhin Truppen auf Madeira.
Viele britische Soldaten blieben auch nach den Napoleonischen Kriegen auf der Insel und beeinflussten Wirtschaft und Politik.


Ende der Monarchie (1822-1910)

Immer wieder versuchten liberale Kräfte die portugiesische Monarchie abzuschaffen. Es begannen auch für Madeira politisch unruhige Zeiten.
Zusätzlich erlebte der Weinbau, unter anderem durch das Einschleppen der Reblaus aus Amerika 1872, einen katastrophalen Niedergang. Viele Einwohner wanderten daraufhin aus. Erst 1910, nach einem Attentat auf den portugiesischen König, wird in Portugal die erste Republik ausgerufen.


Autonomiebestrebungen (1910-1976)

Doch eine Militärdiktatur und der erste Weltkrieg hinterließen auch auf Madeira ihre Spuren. Es wurden schon bald erste Versuche unternommen, sich von Portugal abzulösen.
Nach einer Hungerrevolte 1931 und Generalstreiks auf Madeira und der "Nelkenrevolution" 1974 in Portugal erhält Madeira erst im Jahr 1976 eine eigene Verwaltung und wird zu einer "autonomen Republik".


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