Kreta – im abgelegenen Osten von Kreta

Das boarding-time.de-Team war wieder einmal für Sie unterwegs.
Dieses Mal war Kreta, Griechenlands größte Insel, unser Ziel. Auf dieser Reise erkundeten wir die Präfektur Lassithi, im Osten der Insel
Wir laden Sie ein, uns auf unserer 14-tägigen Reise durch Kreta zu begleiten:

Tag 1: Samstag, 13. September

Der Flughafen von Heraklion.

Die Bungalows unseres Hotels Kakkos Bay sehen aus wie kleine Kapellen.

Dieses Mal müssen wir schon um kurz nach 3 Uhr nachts aufstehen, damit wir früh genug am Flughafen sind. Denn wir haben mal wieder einen dieser extrem frühen Flüge bekommen, der um 10 vor 6 Uhr starten soll. Doch der Abflug verzögert sich zunächst einmal mit der lakonischen Aussage, es gäbe „technische Probleme“. Nach einer guten halben Stunde dürfen endlich die ersten Fluggäste einsteigen – dann wird das Einsteigen schon wieder abgebrochen. Keiner weiß natürlich Genaueres, und so dauert es noch bis um kurz nach 7, bis letztendlich alle im Flugzeug sitzen und wir kurz darauf mit etwa 90-minütiger Verspätung abheben können.
Wenigstens scheinen wir guten Rückenwind zu haben, denn unsere Verspätung ist bis Heraklion schon auf 1 Stunde geschrumpft. Als krönenden Abschluss und damit wir diesen Flug auch sicher noch in bleibender Erinnerung behalten, macht unser Kapitän bei der Landung einen „Luftsprung“, so dass nun auch wirklich jeder wach ist.
Unsere Koffer sind unter den ersten, doch das nützt uns nicht viel, denn bis alle Reisenden aus den verschiedenen aus Deutschland ankommenden Flügen zusammengesammelt sind, ist es bereits kurz vor 12 Uhr. Wenigstens ist der Bus klimatisiert, denn es hat draußen über 25 °C. Wir werden noch 1 Stunde lang per Bus durch die Touristenorte der Nordküste gegondelt, wo auch die meisten Mitfahrenden aussteigen, und dürfen dann endlich in ein Taxi umsteigen, das uns mit 2 anderen Reisenden endlich zügig und vor allem direkt nach Ferma im Südosten bringt. Zwischenzeitlich ist es 2 Uhr Ortszeit und wir haben zwischen Landung und Ankunft fast 3 1/2 Stunden gebraucht (von der restlichen Reisezeit wollen wir ja gar nicht reden)! Beim nächsten Mal sollten wir den Transfer besser selbst organisieren!
Aber nun fängt ja endlich unser Urlaub an. Unser Bungalow ist recht einfach, aber nett eingerichtet und wir packen erst mal unsere Koffer aus. Dann schauen wir uns den Strand an, der nur ein paar Schritte entfernt liegt. Ein schöner kleiner Hotelstrand mit klitzekleinen, rund geschliffenen Steinchen, eigentlich fast schon wie ganz grobkörniger Sand. Gar nicht schlecht: man kann problemlos darauf barfuß laufen, ohne dass es wehtut, trotzdem kann man die Steinchen problemlos abstreifen und am Abend rieselt nicht der gesamte Strand aus der Kleidung.
Wir essen in der Strandtaverne ein paar Happen und machen anschließend eine kleine Siesta. Danach gehen wir wieder an den Strand, wo wir im kristallklaren, warmen Wasser unsere Runden drehen.
Beim Abendessen versuchen wir, unsere paar frisch gelernten Brocken Griechisch auszupacken. Wahrscheinlich ist die Hälfte davon völlig falsch, trotzdem versteht uns unser Kellner Nikos offenbar doch und wir bekommen sogar das serviert, was wir bestellt haben. Das Essen ist ganz ok, eher einfach, aber auf jeden Fall Griechisch.
Nach dem Essen setzen wir uns noch eine ganze Weile auf unsere Terrasse, hören den Zikaden zu und fangen an, uns an den Urlaub zu gewöhnen.

Tag 2: Sonntag, 14. September

Am Hotelstrand ist es jetzt im September etwas ruhiger.

Nach dem Frühstück lassen wir uns an der Rezeption ein paar Tipps geben, was man hier in der Gegend unbedingt gesehen haben muss. Die Angestellte kann uns (in fast perfektem Deutsch) ein paar Informationen geben. Danach laufen wir ein Stück Richtung Koutsounari, wo es an der Straße ein paar Autovermietungen gibt. Wir sind noch nicht ganz schlüssig, wo wir unser Auto mieten sollen, und verschieben die Entscheidung auf morgen.
Zwischenzeitlich ist es uns zum Herumlaufen einfach zu heiß. Daher verziehen wir uns auf unsere schattige Terrasse, lesen ein wenig, und gehen später wieder in die Strandtaverne auf ein paar Bissen.
Am späteren Nachmittag gehen wir wieder an unseren Strand, plantschen im warmen Wasser und suchen am Strand nach schönen farbigen Steinchen. Wir sind dabei nicht die einzigen: fast jeder liegt hier auf dem Bauch und wühlt dabei im Strand.
Nach dem Abendessen sitzen wir wieder auf unserer Terrasse und lassen den Tag ausklingen.

Tag 3: Montag, 15. September

Der Bootshafen von Ierapetra.

Gleich nach dem Frühstück laufen wir in den Ort, wo wir ein Auto mieten – wir müssen einfach mobil sein und brauchen daher einen fahrbaren Untersatz. Wir werden von der Frau des Besitzers auch gleich mit allerlei Prospektmaterial versorgt, so dass wir da schon mal ein wenig drin schmökern können.
Für die Begrüßungsveranstaltung im Hotel heute sind wir etwas zu spät dran, und da wir da nicht reinplatzen wollen (und sowieso auf das übliche Blabla wenig Lust haben), stehlen wir uns vorbei und fahren gleich als Erstes nach Ierapetra.
Irgendwie haben wir das nicht ganz so groß in Erinnerung. Das ist ja eine richtige Stadt! Wir parken mittendrin neben einer Bäckerei, in der wir uns gleich mit unserem Mittagessen versorgen. Im Supermarkt nebenan decken wir uns hauptsächlich mit Getränken (Wasser, Retsina, Ouzo) ein, denn wir haben ja Halbpension und brauchen nicht so viel anderes.
Wir machen einen Spaziergang durch Ierapetra zum Hafen und besorgen uns in der Tourist Information eine Karte von Ierapetra.
Für heute haben wir genug unternommen, wir fahren wieder zurück nach Ferma, wo wir auch gleich noch den „Ort“ anschauen. Na ja, der spielt sich hauptsächlich entlang der Straße ab, mit ein paar Läden und Minimärkten, das war’s auch schon.
Am Nachmittag gehen wir wieder an den Strand, wo wir uns in der Sonne aalen und uns im Wasser abkühlen.

Tag 4: Dienstag, 16. September

An der Hafenpromenade von Sitia.

Unser erster großer Ausflug führt uns auf die östliche Halbinsel Kretas. Als erstes landen wir in Makrigialos, einem kleinen Badeort auf dem Weg nach Sitia, wo wir die beiden Villen aus minoischer und aus römischer Zeit anschauen wollen. Sie sind leider beide eingezäunt und abgeschlossen, so dass wir nur von außen fotografieren können. Aber so arg viel ist sowieso nicht mehr zu erkennen.
Wir fahren daher weiter auf der „Hauptstraße“ und erreichen nach etwas 1 Stunde Sitia. Der Ort gefällt uns recht gut und wir schlendern durch die engen Gassen, gehen hinauf zum Kastell, das einen schönen Blick über den Hafen bietet, und besuchen das Folklore-Museum. Anschließend bestellen wir in einem Café am Hafen einem Frappé (thélis énan kafé métrio, parakaló) und schauen den Fischern und den vorbeigehenden Leuten zu. Wenn wir schon mal da sind, beschließen wir, auch gleich ins archäologische Museum zu gehen, auch wenn wir ein wenig Mühe haben, es zu finden.
Nun haben wir für den heutigen Tag genug Kultur gesehen und wir fahren wieder zurück zum Hotel, wo wir mit Brot, Tomaten und Feta eine Meze machen. Danach relaxen wir auf der Terrasse und gehen später wieder an den Strand und ins Wasser.
Als wir zurück ins Zimmer kommen, haben wir einen Stromausfall. Dann müssen wir halt mit einer Taschenlampe und nassen Haaren zum Abendessen gehen. Sieht ja eh keiner, es gibt nur eine schummrige Notbeleuchtung und ein paar Kerzen. Das Abendessen ist richtig romantisch und wir versuchen zu erschmecken, was wir da essen, denn sehen können wir trotz Kerzen davon recht wenig. Es dauert bis nach 9 Uhr, bis das Licht wieder da ist. Offenbar ist in der ganzen Gegend den Strom lahmgelegt, denn auch rund um uns herum ist alles dunkel. So können wir wenigstens mal die Sterne ohne störende „Nebengeräusche“ betrachten.

Tag 5: Mittwoch, 17. September

Panagia Kera ist eine Kirche wie aus dem Bilderbuch.

Heute führt uns unser Weg uns in den nördlichen Teil der Provinz Lassithi, Richtung Agios Nikolaos. Auf dem Weg dorthin machen wir Station in Gournia, einer minoischen Siedlung, die direkt an der Hauptstraße an einem Hügel liegt. Die nächste Ausgrabung, Lato, finden wir jedoch viel spannender, da hier noch so viel erhalten ist, dass man die Anlage des Ortes noch ganz gut erkennen kann.
Auf dem Weg nach Panagia i Kera kommen wir an einem Schild vorbei, das in die Schlucht von Kritsa weist. Wir wollen natürlich wissen, was hier zu sehen ist und steigen hinunter in das Bachbett. Leider haben wir für eine Klettertour nicht das richtige Schuhwerk an. Wir brechen die Kletterei daher ab – vielleicht kommen wir ja ein andermal wieder hierher.
Weiter geht es nach Panagia i Kera, das wunderschön inmitten von Pinien liegt. Die Eintrittsgebühr ist mit 3 Euro schon ein wenig gesalzen, dafür entschädigen uns die jahrhundertealten, wunderschönen Fresken im Inneren der Kirche.
Wir haben langsam ein wenig Hunger und fahren daher weiter nach Agios Nikolaos, wo wir ein Souvlaki-Pita essen. Hier ist es uns allerding eindeutig zu touristisch, so dass wir schon bald wieder das Weite suchen.
Auf der Heimfahrt kommen wir noch in Vasiliki vorbei. Die Ausgrabung ist zwar nicht offen, aber wir schlüpfen verbotenerweise durch eine Lücke im Drahtzaun. Leider ist hier auch nicht allzuviel Erkennbares zu sehen, Lato war heute doch wohl die eindrucksvollste Ausgrabung. Aber noch mehr alte Steine müssen heute doch nicht mehr sein und wir fahren wieder zurück ins Hotel.
Es zieht im Laufe des Nachmittags zwar ein wenig zu und ein leichter Wind kommt auf, trotzdem gehen wir vor dem Essen nochmal an den Strand. Die Wellen kommen heute etwas störend von der Seite, trotzdem ist das Wasser immer noch herrlich warm.

Tag 6: Donnerstag, 18. September

Westlich von Ierapetra wirkt die Landschaft wie ein einziges Gewächshaus.

Dieses Mal fahren wir an der Südküste entlang Richtung Westen. Die Ebene zwischen Ierapetra und Mirtos kommt uns dabei wie ein einziges Gewächshaus vor: jedes noch so kleine Stück Land ist mit Kunststoffbahnen bespannt. Aus dieser Gegend kommen vermutlich sämtliche griechischen Tomaten, die wir zu Hause kaufen können.
Wir fahren landeinwärts, wo wir die Akropolis von Larisa suchen. Leider ist das Hinweisschild so blöd angebracht, dass wir es erst entdecken, als wir eigentlich schon aufgegeben haben und wieder auf dem Rückweg sind. Der Felsen, auf dem die Akropolis thront, ist von hier aus aber noch ein gutes Stück weg und wir haben nicht so viel Lust auf eine längere Wanderung oder Kletterpartie in praller Sonne. Deshalb fahren wir weiter durch die kleinen Dörfer auf der Suche nach den Ausgrabungen von Malla – leider erfolglos. Dafür entdecken wir bei Mithi ein Hinweisschild zur Sarakinas-Schlucht. Wir suchen zwar zunächst verzweifelt den Eingang, als wir aber ein paar Meter durch eine trockengelegte Wasserrinne klettern, erreichen wir letztendlich doch die Schlucht und sind beeindruckt! Neben den sicherlich über 30 Meter hohen Felsen kommt man sich ganz klein vor. Wir sind auch heute nicht so ganz für eine Schluchtenwanderung ausgerüstet und gehen auch hier nur ein paar hundert Meter in die Schlucht hinein und drehen dann wieder um – nicht ohne uns die Wanderung für einen anderen Tag vorzunehmen.
Nun führt uns unser Weg wieder hinunter an die Küste, wo wir bei Mitros auf die Küstenstraße stoßen. Nach einigen Kilometern weist uns ein Hinweisschild den Weg zur minoischen Siedlung Pyrgos. Eine etwa 10-minütige Kletterei bringt uns auf den Hügel, auf dem ein paar Reste einer Siedlung zu sehen sind.
Wir haben nun genügend gesehen für heute und machen uns daher wieder auf den Heimweg. Wir sind heute rechtzeitig dran, um unsere Reiseleiterin zu treffen, die uns auch ein paar „Spezialtipps“ geben kann, was hier in der Gegend sehenswert ist. Danach machen wir es uns auf unserer Terrasse mit einer Meze gemütlich und lesen. Da es am Nachmittag ein wenig zuzieht, gehen wir heute auch nicht an den Strand zum Baden.

Tag 7: Freitag, 19. September

Moni Toplou ist das wichtigste Kloster im Osten Kretas.

Was für ein langer Tag! Wir fahren bis ans andere Ende der östlichen Halbinsel Kretas und entdecken dabei neben sehenswerten Ausgrabungen auch schöne Palmenstrände und fast verlassen wirkende, karstige Gegenden.
Unser erstes Ziel sind die Ausgrabungen der minoischen Stadt Zakros. Die Ausgrabungen sind beeindruckend groß, aber da es keine Hinweisschilder gibt, können wir nur rätseln, was hier nun ein Palastbezirk und was vielleicht ein einfacher Lagerraum gewesen sein könnte. Vielleicht eher etwas für Archäologiekundige. Nur wegen Zakros hätte sich die 2-stündige Fahrt vom Hotel hierher sicher nicht gelohnt. Aber wir haben ja noch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend auf unserem Programm.
Weiter geht es zum Tal der Toten, wo wir ein Stück weit in die Schlucht einsteigen. Hier wächst außer ein wenig niedrigem Gestrüpp so gut wie gar nichts. Da die gesamte Wanderung von Zakros nach Kato Zakros etwa 4 bis 5 Stunden dauern würde und wir uns in der Gegend noch ein wenig umschauen wollen, gehen wir nur bis zum Talboden hinunter, lassen die Schlucht von hier aus auf uns wirken und kehren dann wieder um.
Das nächste Ziel heißt Palekastro, wo wir die Ausgrabung der minoischen Siedlung Rousolakos anschauen und anschließend im Ort in einer Taverne essen. Danach folgt die dorische Siedlung Itanos, wo uns allerdings der kleine palmengesäumte Strand weitaus besser gefällt als die Ausgrabungen.
Nun fahren wir weiter zum berühmten Palmenstrand von Vai. Wir völlig perplex, als wir am Parkplatz ankommen: 5 Euro Parkplatzgebühr soll es kosten! Die spinnen ja wohl! Während Markus am Straßenrand stehen bleibt, steige ich kurz aus und schaue mir den Strand an. Was ich sehe, verschlägt mir die Sprache: Auf eine Länge von schätzungsweise höchstens 200 Metern sind in 5 Reihen dicht an dicht etwa 100 Sonnenschirme mitsamt dazugehörigen Liegen aufgestellt. Das ist ja wie in einer Sardinendose!
Wir flüchten schleunigst weiter und machen uns auf den Weg zur nächsten Touristenattraktion von Ostkreta: Moni Toplou. Das Kloster liegt recht schön und ist auch interessant, aber für unseren Geschmack ist hier alles ein wenig zu sehr auf Tourismus zugeschnitten. Im Kloster-Shop wird natürlich Original Moni-Toplou-Olivenöl und Olivenseife verkauft, billige Ikonen und allerlei sonstiger Nippes. Wir wundern uns schon ein wenig, wo die Mengen an Olivenöl herkommen, die angeblich aus der Gegend von Sitia beziehungsweise dem Moni Toplou stammen sollen und bei uns daheim sogar beim Discounter verkauft werden – denn in der karstigen Umgebung des Klosters sehen wir eher eine überschaubare Anzahl von Olivenbäumen. Eine wunderbare Olivenvermehrung?
Wir können nun keine Ausgrabung mehr sehen und fahren daher wieder zurück ins Hotel. Es waren heute über 250 Kilometer, die wir zurückgelegt haben, und dementsprechend müde sind wir auch, so dass wir ziemlich früh und ziemlich kaputt ins Bett fallen.

Tag 8: Samstag, 20. September

Samstagsmarkt in Ierapetra.

Wir haben heute absolut keine Lust auf irgendeine Ausgrabung oder lange Autofahrten. Da kommt uns der Samstagsmarkt in Ierapetra gerade recht. Diese griechischen Märkte sind einfach sehenswert: neben Obst und Gemüse bekommt man hier alles, was man zum täglichen Leben so braucht; T-Shirts, Schuhe, BHs, Stoffe, Tischdecken – sogar drei Hundewelpen werden zum Verkauf angeboten. Wir schlendern ein wenig durch den Markt und die Gassen von Ierapetra, schauen uns den Hafen und das Kastell an und verbringen eine ganze Weile in einem Kafenion in der Fußgängerzone, wo wir einen Frappé trinken und die Szenerie um uns herum betrachten. Anschließend gehen wir noch ins archäologische Museum, das zwar nicht besonders spektakulär ist, aber wenn wir schon mal hier sind …
Den Nachmittag verbringen wir auf unserer Terrasse im Hotel. Leider fängt es später ein wenig zu regnen an, zwar nicht stark, aber trotzdem vertreibt es uns für eine halbe Stunde ins Zimmer.
Als wir nach dem Abendessen zurück ins Zimmer kommen, ist in der Strandtaverne eine griechische Taufe im Gange – mit Live-Musik und viel fröhlichem Geschnatter. Bei so viel Lebensfreude fühlen wir uns überhaupt nicht gestört – im Gegenteil: am liebsten würden wir mitfeiern!

Tag 9: Sonntag, 21. September

Stark wie Pippi Langstrumpf!

Heute sind wir mit vernünftigem Schuhwerk und genügend Wasser ausgestattet, so dass wir uns in die Sarakinas-Schlucht wagen können. Am Anfang geht es noch ganz gut, aber schon nach ein paar hundert Metern liegen die ersten größeren Felsbrocken herum. Wir müssen uns bereits an einigen größeren Brocken hinaufziehen und kommen schon bald ins Schwitzen.
Manchmal kommen wir auch an einer Stelle gar nicht weiter und müssen es an einem anderen Felsen versuchen oder uns gegenseitig hinaufhelfen. Nach über 1/2 Stunde kommen wir auch mit vereinten Kräften nicht mehr weiter, jedenfalls nicht ohne Risiko. Wir müssen ja nicht wie die Ziege enden, die ein paar Meter vorher tot in der Schlucht lag …
Wir kehren daher wieder um und fahren wieder zurück nach Ierapetra. Wir wollen etwas Brot kaufen, aber heute ist Sonntag und in der einzigen Bäckerei, die offen hat, bekommen wir nur ein paar etwas zähe Sesamkringel von gestern.
Als Ausgleich gönnen wir uns allerdings in einer Zaccharoplasteio neben ein paar Lychnarachia ein total abgefahrenes Eis mit Mastix- und Kataifi-Geschmack.
Danach fahren wir wieder zurück ins Hotel, wo wir den restlichen Nachmittag lesen und uns ausruhen.

Tag 10: Montag, 22. September

Die Hafenpromenade von Ierapetra.

Wir gönnen uns heute mal einen richtig faulen Tag und frühstücken erst relativ spät. Da es ziemlich bedeckt ist und wir nicht so recht wissen, was wir davon zu halten haben, fahren wir heute nur nach Ierapetra, wo wir eine ganze Weile im Kafenion verbringen und an einem Frappé schlürfen.
Danach schlendern wir in der Stadt herum auf der Suche nach Keramik, denn unsere Terrassenwand daheim könnte eine schöne Keramiksonne gebrauchen. Leider gibt es hier nur Kitsch, so dass wir nichts Brauchbares finden. Muss ja auch nicht unbedingt sein!
Im Supermarkt versorgen wir uns mit Brot und Tomaten, die wir dann zurück im Hotel zusammen mit etwas restlichem Schafskäse, Oliven und Salami verputzen.
Es ist zwischendrin immer mal wieder etwas sonnig, dann zieht es wieder zu, bleibt aber trocken. Daher verbringen wir den restlichen Nachmittag auf der Terrasse mit Lesen und gehen erst später noch zum Baden an den Strand.
Das Abendessen ist heute nicht so berauschend, wir hätten doch besser in den Ort zum Essen gehen sollen …

Tag 11: Dienstag, 23. September

Ein Knäuel Katzen schlummert im schattigen Innenhof von Moni Kapsa.

Auf der Terrasse der Taverne Kostas in Xerokambo.

Heute stehen wir mal wieder früher auf und machen uns auf Richtung Osten.
Als Erstes besuchen wir Moni Kapsa, das wie ein Schwalbennest an der Küste klebt. Der mit bunten Kieselsteinen belegte Innenhof des Klosters ist eine Oase der Ruhe, auf dem Stuhl liegt ein Knäuel Katzen, ein Mönch sitzt mit ein paar Einheimischen schwatzend im Schatten. Leider ist die Kirche nicht geöffnet, aber wir schauen uns noch die Mönchsklause an, die ein paar Meter oberhalb des Klosters in den Felsen geschlagen wurde.
Danach fahren wir weiter in die Chandras-Hochebene. Hier werden die Felder, ähnlich wie in der Lassithi-Hochebene, mit Windmühlen bewässert und es werden vor allem Wein und Oliven angebaut. In Etia, einem verlassenen Dorf, schauen wir uns das venetianische Herrenhaus und ein paar zerfallene Häuser an, dann geht es weiter durch Armeni, wo gerade eine Beerdigung stattfindet, nach Chandras und das etwas außerhalb liegende verlassene Dorf Voila. Der Ort scheint vor noch gar nicht so langer Zeit noch bewohnt gewesen zu sein, bei einem Haus ist sogar noch das Dach fast vollständig erhalten und auch die Küche und die Schlafempore sehen aus, als ob hier nur einmal gründlich saubergemacht werden müsste.
Wir fahren weiter über Ziros bis nach Xerokampos, denn hier soll es einen herrlichen Strand geben. Die Straße ist gut ausgebaut, aber sehr kurvig, es sind fast 20 km bis hierher. Aber es hat sich wirklich gelohnt: Der feinsandige Strand ist so gut wie leer, nur Schatten gibt es hier leider keinen. Wir kühlen uns im herrlich klaren Wasser ab und gehen anschließend im Ort in die Taverne, wo wir endlich mal wieder direkt in der Küche unser Essen aussuchen dürfen. Wir essen gefüllte Zucchiniblüten, Sousoukakia und Lamm mit Kartoffeln aus dem Ofen und genießen den Schatten auf der Terrasse. Heute Abend werden wir das Abendessen im Hotel wohl ausfallen lassen.
Wir fahren zurück über Presos, das auf einem Hügel mit extrem gutem Panoramablick liegt und ein hellenistisches Wohnhaus und einen Tempel zu bieten hat.
Auf dem Rückweg wundern wir uns, dass es plötzlich nach frischer Farbe riecht – ein paar Meter wissen wir auch, warum: wir überholen ein Fahrzeug, das gerade dabei ist, die Fahrbahn zu markieren.
In Makrigialos machen wir noch einen kurzen Stopp, um den Strand anzuschauen, danach ist es für heute genug und wir fahren zurück ins Hotel. Am Abend gibt es für uns nur Obst, denn das Mittagessen war üppig genug.

Tag 12: Mittwoch, 24. September

Hoffentlich kommt Nikos wieder zurück, um uns abzuholen.

Ein ereignisreicher Tag heute!
Wir fahren heute an die Nordküste, wo es in Mochlos weitere minoische Ausgrabungen gibt. Mochlos ist ein wirklich bezauberndes kleines Fischerdorf, dem die kleine Insel Agios Nikolaos vorgelagert ist. Es gefällt uns hier wirklich gut, auch wenn hier offenbar alles fest in französischer Hand zu sein scheint.
Wir besichtigen zunächst die Ausgrabungen des Händlerviertels, dann schauen wir uns nach einer Möglichkeit um, auf die Insel Agios Nikolaos zu kommen, die weitere Ausgrabungen zu bieten hat. Im Souvenirshop sagt man uns, dass wir noch zu früh dran seien, denn Nikos, der „Fährmann“ würde noch schlafen, da er auch noch in einem Hotel arbeitet. Wir sollen es am frühen Nachmittag nochmal versuchen. Doch was machen wir bis dahin? Zum Essen gehen ist es noch viel zu früh, auch wenn die Fischrestaurants am Hafen sehr einladend aussehen.
Wir beschließen, erst mal nach Chamesi weiterzufahren. Unterwegs bemerken wir, dass wir unbedingt tanken müssen, aber da es hier nur wenige Ortschaften gibt, ist weit und breit keine Tankstelle zu sehen. Hoffentlich ist die nächste nicht erst in Sitia, denn bis dahin könnte es richtig knapp werden. Gottseidank gibt es in der übernächsten Ortschaft eine Tankstelle und so können wir unsere Fahrt wieder entspannter fortsetzen.
Über eine Schotterpiste erreichen wir dann auch schon bald die minoischen Häuser von Chamesi, die auf einem Hügel mit herrlicher Aussicht über die Umgebung liegen. Außer uns sind hier oben auch noch zwei Griechen, die mit Stativ und Kamera hantieren. Wir sind nicht ganz sicher, ob es sich um Vermessungsarbeiten oder um Panoramaaufnahmen handelt. Wir werden es wohl nie ergründen.
Nun ist es Zeit, zurück nach Mochlos zu fahren. Und nach einem ausgezeichneten Essen in einer der Hafentavernen – gegrillter Oktopus, kleine Sardinen, frittierte Kartoffeln, ein griechischer Salat und als Abschluss ein kafé métrio – versuchen wir, Nikos zu finden, damit er uns auf die Insel ‚rüberschippert.
Wir haben Glück: er ist zwischenzeitlich wach und sein Boot ist bereit. Wir vereinbaren, dass er nach 1 Stunde wieder zurückkommt und uns abholt – und hoffen, dass er uns dann auch nicht vergisst. Und natürlich auch, dass das Seil, das sich beim Ablegen in der Schiffsschraube verfangen hat, keine größeren Schäden angerichtet hat. Na gut, notfalls könnten wir das kurze Stück nach Mochlos auch noch schwimmen.
Die Ausgrabungen befinden sich sowohl direkt am Bootsanleger als auch oben auf dem Hügel. Wir haben also ausreichend Zeit, uns alles ohne Hetze anzuschauen aber auch ohne dass es uns langweilig wird. Auch der Blick auf das gegenüberliegende Mochlos ist herrlich.
Nach der problemlosen Rückfahrt aufs „Festland“ machen wir uns schon wieder auf Richtung Heimat, wobei wir noch einen kleinen Zwischenstopp in Episkopi einlegen, wo es eine schnuckelig kleine, alte byzantinische Kirche gibt. Leider ist sie abgesperrt (was wir uns hätten denken können), so dass wir sie nur von außen betrachten können.
Zurück in Ierapetra machen wir noch ein paar Einkäufe, gehen danach noch für eine kurze Runde im Meer an unseren Hotelstrand und lassen heute das Abendessen mal wieder zugunsten von etwas Obst ausfallen.

Tag 13: Donnerstag, 25. September

Die Shoppingmeile von Agios Nikolaos ist ein Eldorado für Souvenirjäger.

Wir versuchen heute mal einen neuen Anlauf und fahren nach Agios Nikolaos. Es ist ziemlich schwül heute und auch die Luft ist ganz diesig vor lauter Feuchtigkeit.
In Agios Nikolaos besuchen wir das Archäologische Museum des Bezirks Lassithi, in dem wir eine Menge der Gegenstände aus den Ausgrabungen sehen können, die wir alle schon besucht haben. Ein guter Abschluss unserer archäologischen Spurensuche.
Das Folklore-Museum, das wir danach anschauen, ist mit 3 Euro Eintritt ein wenig „überbewertet“. Wir befinden uns halt in einem Touristenort: man nimmt, was man kriegt!
Anschließend bummeln wir durch die Einkaufsmeile, wo ein Souvenirshop neben dem nächsten liegt. Wenigstens finden wir hier endlich eine nicht allzu kitschige, einfache Keramik-Sonne, die sich auf unserer Terrasse daheim sicher ganz nett ausmacht.
In einer etwas abseits gelegenen Taverne bestellen wir ein paar Mezedes. Leider verspricht die lauschige Terrasse mehr, als das Essen halten kann: die Keftedes sind zu trocken, die Gigantes lasch gewürzt und die Zucchinipuffer frittiert statt gebraten. Griechisches Touristenessen halt.
Auf der Heimfahrt kaufen wir in Ierapetra die Sachen ein, die wir mit nach Hause nehmen wollen. Wir nehmen ein knappes Kilo kräftigen Kefalograviera mit – was der Grieche vor uns für schmackhaft befindet, kann so schlecht nicht sein. Natürlich brauchen wir auch noch ein paar Päckchen griechischen Kaffee. Wir bekommen den zwar auch daheim, aber nicht zu dem Preis! Und ein paar Päckchen Chios-Kaugummi (ELMA) brauchen wir natürlich auch noch. Zufrieden mit unserer Beute fahren wir zurück ins Hotel, wo wir lesen und ein wenig im Wasser plantschen. Die Brandung ist heute ein wenig heftig und ich kann gerade noch meinen Flip-Flop vor dem Ertrinken retten.
Das Abendessen im Hotel ist heute ziemlich annehmbar, es gibt reisgefüllte Tomaten und Paprika, danach mit Hackfleisch gefüllte Zucchini und Tsatsiki.

Tag 14: Freitag, 26. September

Der Eingang zur Monastiraki-Schlucht liegt direkt neben einer kleinen Kapelle.

Nun beginnt unser letzter Tag auf Kreta und wir schauen nach, was wir noch auf unserer Sehenswürdigkeiten-Liste haben.
Zunächst wollen wir uns in Vainia das Folklore-Museum anschauen, doch das hat noch geschlossen. Also fahren wir weiter zur Monastiraki-Schlucht, wo wir das Auto an einer Wellpappenfabrik stehen lassen und zu Fuß weitergehen. Doch leider kann man in die Schlucht nicht ohne professionelle Kletterausrüstung einsteigen. Zwar fließt hier um diese Jahreszeit kein Wasser mehr, aber der Eingang liegt etwa 15 Meter über uns. Offenbar bildet der Bach am Ende der Schlucht einen Wasserfall, der sich in ein darunterliegendes Becken ergießt. Ist im Frühjahr sicher spektakulär, aber wir müssen uns mit dem Blick auf eine gewaltige Felswand begnügen, in die sich der Monastiraki-Bach tief eingegraben hat.
Es ist inzwischen nach 11 Uhr und wir versuchen es deshalb nochmal in Vainia. Diesmal haben wir Glück, es ist geöffnet. Das Folklore-Museum ist liebevoll eingerichtet, vermutlich stammen die meisten Stücke direkt aus dem Gebäude und aus der daneben liegenden Grundschule. Es kostet auch keinen Eintritt und wenn man in der Nähe ist, ist es auf jeden Fall empfehlenswert, hier mal vorbeizuschauen.
Danach fahren wir wieder zurück ins Hotel, wo wir lesen, unsere letzten Reste aus dem Kühlschrank verputzen und unser Auto zurückgeben wollen. Das erweist sich als ein wenig schwierig: Wir müssen es vollgetankt zurückgeben, doch die Tankstelle im Ort hat gerade kein Benzin. Also müssen wir bis nach Ierapetra fahren, nur um zu tanken. So weit, so gut. Bei der Mietwagenstation ist gerade niemand zu Hause, also stellen wir das Auto zunächst mal nur hin und gehen zum Abendessen.
Nach dem Essen laufen wir wieder zum Vermieter und können gerade noch die Frau des Besitzers abfangen. Sie war schon auf dem Weg zum Hotel, um den Autoschlüssel abzuholen.
Wir organisieren im Hotel noch ein frühes Frühstück, da wir morgen ja schon um 6 Uhr abgeholt werden sollen, dann packen wir unsere Koffer und gehen bald ins Bett.

Tag 15: Samstag, 27. September

It’s boarding time!

Der Wecker klingelt schon um Viertel vor 5 Uhr, doch wir sind beide schon früher wach. Also schnell duschen, die letzten Sachen in die Koffer packen und ab zum Frühstück.
Schon um 6 Uhr sitzen wir im Taxi auf dem Weg zum Flughafen. Trotz kleinem Umweg nach Agios Nikolaos, wo ein weiterer Fahrgast aussteigt, braucht unser Fahrer gerade mal eine gute Stunde bis nach Malia. Allerdings wundern wir uns, dass der Fahrer bei diesem Fahrstil überhaupt so alt werden konnte … Wir sind froh, dass wir in Malia aussteigen können, wo es mit einem Bus weitergeht.
Allerdings verlieren wir nun die gewonnene Zeit, da wir unterwegs nach Heraklion noch 5 Hotels abklappern und wir außerdem bei einem Hotel auf ein Paar warten müssen, das fast 10 Minuten zu spät kommt. So sind wir dann am Flughafen bei den letzten, die in der Warteschlange beim Einchecken stehen.
Unsere Koffer sind insgesamt 3 Kilo zu schwer – und wir sollen dafür 24 Euro bezahlen! Dabei haben wir fast nichts in unserem Handgepäck. Also verfrachten wir unsere Schuhe aus dem Koffer ins Handgepäck. Aber nun wird plötzlich auch noch das Handgepäck gewogen! Das ist uns auch noch nie passiert. Wir freuen uns diebisch, dass unser Handgepäck trotz allem noch unter dem zulässigen Gewicht liegt und die Gesichter beim Flugpersonal enttäuscht wirken.
Das Paar, das nur 2 Koffer und als einziges Handgepäck eine kleine Katze im Katzenkäfig hat, ist da schlechter dran: sie müssen fast 100 Euro zahlen – für die Katze und 5 Kilo Übergepäck! Wir fragen uns, ob das Geld aus diesen überzogenen Gepäckkontrollen die Fluggesellschaft oder der Flughafen einstreicht.
Leider ist es mit dem Ärger am Flughafen noch immer nicht vorbei: die Personenkontrolle ist überlastet und wir stehen schon wieder Schlange. Außerdem weiß niemand, an welchem Gate der Flug losgeht und die Abflughalle ist massiv überfüllt. Durchsagen gibt es auch keine. Heraklion hat offenbar ein echtes Kapazitätsproblem! Aber am besten cool bleiben und nur nicht ärgern!
Wir haben diesmal im Flugzeug Plätze in Reihe 1, was ein wenig Beinfreiheit bringt, aber leider auch ein wenig Durchgangsverkehr. Was soll’s!
Um halb 11 starten wir von Kreta und sind bereits um 5 nach 12 Uhr in München. Die Kofferausgabe klappt prima (unsere Koffer wurden ja auch vermutlich ganz zum Schluss eingeladen) und so sitzen wir auch schon kurz darauf im Taxi nach Hause.

Das Fazit unseres Urlaubs:
Kreta ist zwar eine wunderschöne und sehenswerte Insel, aber leider in der Zwischenzeit ziemlich touristisch geworden. Sogar hier im Osten wird viel Deutsch gesprochen und die Ursprünglichkeit ist ein wenig verloren gegangen. Man muss die abgelegenen und wenig überlaufenen Ecken etwas suchen. Wirklich schade!