Nordost-Wales – die vergessenen „Borderlands“

Das boarding-time.de-Team war wieder einmal für Sie unterwegs. Dieses Mal war der Nordosten von Wales mit den Grafschaften Denbigh, Flintshire und Wrexham unser Ziel.
Der Reiz der sogenannten „Borderlands“ bleibt vielen Wales-Reisenden meist verborgen, denn die Hauptattraktionen und größeren Städte befinden sich eher im Süden und Westen von Wales.
Und dennoch liegt hier ein landschaftliches Juwel verborgen, durchzogen von sanften Hügeln, stillen Tälern und großen Wasserwegen wie dem River Dee, dem River Clwyd und dem Llangollen Canal.
Im Westen ragen die Gipfel des Snowdon, im Süden die der Cambrian Mountains auf, im Norden grenzen die Irische See und im Osten der Offa’s Dyke – die natürliche Grenze zu England – an.
Neben den „Seven Wonders of Wales“ bietet der walisische Nordosten mit seinen unzähligen Burgen und Abteien beredte Zeugnisse einer wechselvollen Geschichte.
Viele bekannte Waliser, darunter auch Owain Glyndwr, der walisische Nationalheld, stammen aus dieser Gegend. Eine große Zahl von Spuren der industriellen Revolution, ob Minenanlagen oder die meisterhaft gebauten Eisenbrücken des Llangollen Canal, erzählen von der einstigen Blütezeit dieser Region.
Doch auch der Wanderfreund kommt in dieser zauberhaften und abwechslungsreichen Landschaft ins Schwärmen.

Wir laden Sie ein, uns auf unserer 3-wöchigen Reise durch die walisischen Borderlands zu begleiten:

Tag 1: Samstag, 08. März

Unser Cottage, „The Loft“, war früher wohl einmal ein Geräteschuppen.

Ein richtig üppiges Domizil mit allem, was man so braucht – inklusive Kaminofen und Plasmafernseher

Es ist schon 20 nach 6 Uhr (in der Frühe natürlich!) und unser Taxifahrer scheint auch nicht so recht aus den Federn gekommen zu sein. Aber gerade, als ich per Telefon nachfragen will, wo er bleibt, biegt das Taxi um die Ecke. Gut, dann kann’s also endlich losgehen!
Ab nun verläuft das Meiste nach Plan – nur bei der Sicherheitskontrolle am Münchner Flughafen verursacht unser in ein Paar Socken eingewickeltes Navi beim Beamten ein kurzes Zögern, gefolgt von einem leichten Schmunzeln.
Der Flieger hebt pünktlich um 9 Uhr ab und auch der Flug nach Birmingham verläuft planmäßig, nur ein paar Böen machen den Landeanflug ein wenig holprig.
Unsere Koffer sind heute bei den ersten, so dass wir eigentlich schon um Viertel nach 10 Uhr Ortszeit loslegen könnten. Hilft nur nichts, denn vor halb 12 können wir unser Auto leider nicht in Empfang nehmen. Also setzen wir uns mit unseren Büchern in ein Café und vertreiben uns die Zeit bis dahin.
Am Autoschalter wehren wir, wie schon fast erwartet, alle Versuche ab, uns ein größeres Auto, weniger Selbstbeteiligung und weitere kostenpflichtige Zusatzleistungen aufzuschwatzen. Aber wir bleiben hart, denn uns reicht der kleine Matiz völlig aus. Zur „Strafe“ (und aus Erfahrung klug geworden) nerven wir daher das Mädchen bei der Übergabe, indem wir darauf bestehen, alle Kratzer und Beulen in den Übergabeschein aufzunehmen – bei Wind und leichtem Nieselregen. Dann klemmen wir unser TomTom an die Windschutzscheibe und stürzen uns in die ersten Roundabouts.
Nach ein paar Meilen haben wir uns (und auch TomTom) an den Verkehr gewöhnt, so dass wir nach 2 Stunden Fahrt und ohne uns ein einziges Mal zu verfahren (!) in unserem Cottage in Llanfair Dyffryn Clwyd ankommen.
Der Schlüssel ist schnell gefunden und als wir eintreten, sind wir von unserem Domizil für die nächsten 3 Wochen gleich richtig begeistert! Es ist wunderschön und super eingerichtet, mit allem was man braucht. Unsere Landlady hat Narzissen in die Vasen gestellt und auf dem Tisch liegt ein Päckchen Scones als Begrüßung. Sogar eine Flasche Milch für einen ersten englischen Tee steht im Kühlschrank. Auch die Küche sieht mehr als brauchbar aus, daher beschließen wir, dass wir heute einfach „daheim“ bleiben und uns selbst was kochen. Aber vorher müssen wir noch den Kühlschrank auffüllen. Wir fahren daher erst mal nach Ruthin, wo es einen TESCO gibt, bei dem wir alles bekommen, was wir fürs Erste brauchen.
Nach unserem ersten Abendessen im Cottage sind wir beide überzeugt, dass wir hier wirklich gemütliche und entspannende 3 Wochen verbringen werden! Wir sind hier richtig auf dem Land, es ist draußen völlig ruhig, nur ab und zu können wir ein Käuzchen schreien hören. Erholung pur!

Tag 2: Sonntag, 09. März

Frühlingsstimmung am Llangollen Canal.

Der Blick aus dem Fenster unseres Cottages in das Tal des Clwyd.

Der erste Tag in Wales muss natürlich ganz standesgemäß mit einem „Full Breakfast“ beginnen: Alpen-Muesli, sausages, bacon, eggs, tomatoes, mushrooms und fried toast. Und wer jetzt noch nicht satt ist, darf noch so viel toast mit orange marmalade essen, wie er schafft. So brauchen wir bis zum frühen Nachmittag sicher nichts mehr zum Essen!
Heute wollen wir erst mal die nähere Umgebung erkunden und fahren daher zum Horseshoe Pass. Wir stellen unser Auto in einer Parkbucht ab und erklimmen einen kleinen Hügel, von dem aus wir einen guten Überblick über die herrliche walisische Landschaft haben. Wie haben wir das vermisst!
Danach fahren wir weiter nach Llangollen, wo wir einfach mal am Llangollen Canal entlang wandern. Mal sehen, wie weit es bis zum Pontcysyllte Aquaeduct ist. Nach 1 1/2 Stunden Fußmarsch taucht es dann endlich in der Ferne auf, doch bis dahin wäre es mindestens noch eine 3/4 Stunde! Na gut, da sollten wir dann doch besser mal direkt mit dem Auto hinfahren, also machen wir wieder kehrt und marschieren zurück nach Llangollen.
Wir sind nun ein wenig durchgefroren und fahren daher wieder zurück ins Cottage. Nach einer kleinen Brotzeit und einem Bad (herrlich, eine echte Badewanne!) sieht die Welt schon wieder vieeeel besser aus!
Für heute wollen wir nicht mehr aus dem Haus und wir machen es uns in unserm Wohnbereich gemütlich. Am Abend gibt es einen kleinen „sunday roast“ mit Rindersteaks und Knoblauch-Zucchini.
Der Versuch, daheim anzurufen, schlägt erst mal fehl, denn wir haben hier im Haus so gut wie keinen Handy-Empfang (was uns aber nicht weiter stört). Nach ein paar Schritten aus dem Haus ist das aber kein Problem mehr.
Wir hoffen, dass der für heute Nacht angesagte Sturm nicht zu heftig wird, und gehen zu Bett.

Tag 3: Montag, 10. März

Ruthin Goal ist heute ein Museum.

Das heutige Frühstück fällt nicht ganz so üppig aus wie gestern, denn wenn wir das jeden Tag machen, können wir nach drei Wochen heimrollen …
Der Sturm heute Nacht hat hier nur ein paar Äste von den Hecken gebrochen, aber es hat merklich abgekühlt. Daher ist heute mal Museum angesagt.
Wir fahren nach Ruthin und schauen uns Ruthin Goal, das alte Gefängnis, an. Mit Hilfe eines Audioguides erfahren wir eine ganze Menge über das Leben der Gefangenen. Ist ganz nett gemacht (auch wenn das Thema natürlich weniger nett ist). Bei einem anschließenden Spaziergang durch Ruthin schauen wir uns den St. Peter’s Square an, der sich auf dem höchsten Punkt des Hügels befindet und um den herum das Städtchen liegt. Danach schlendern wir durch die schnuckelige kleine Stadt mit den vielen Fachwerkhäusern weiter zum Ruthin Castle, das zu einem schicken Hotel umgebaut wurde.
Im fish’n’chips-shop gibt es heute keinen Fisch mehr, deshalb kaufen wir uns nebenan ein paar handgemachte Sandwiches. Und weil es am Nachmittag immer wieder regnet, fahren wir wieder nach Hause und machen es uns mit einer schönen Tasse Tee gemütlich.
Am Abend packen wir unsere Hackfleisch-Pies in den Ofen und gehen unterdessen ein wenig spazieren. Ein Fasan, der aufgeregt aus der Hecke flattert, erschreckt uns vermutlich mehr als wir ihn. Ein paar Schritte weiter flüchtet eine ganze Kaninchenfamilie vor uns in die nächste Hecke. Wir sind halt mitten auf dem Land!

Tag 4: Dienstag, 11. März

Die Kathedrale von St. Asaph ist eines der „Seven Wonders of Wales“.

Heute sind wir schon um halb 10 Uhr unterwegs. Wir fahren nach Denbigh, wo wir das Castle anschauen. Wir haben Glück: es ist noch außerhalb der Saison, daher müssen wir keinen Eintritt zahlen. Wir rätseln aber, ob wir hier schon mal waren oder nicht. Bei so vielen Castles, die wir bisher in Wales angeschaut haben, können wir wirklich nicht sagen, ob Denbigh dabei war.
Wir machen einen Spaziergang durch den Ort, decken uns in der tourist information mit Material ein und versuchen dann den Gwaenynog Garden zu finden – leider vergeblich. Deshalb fahren wir weiter nach St. Asaph, das uns viel besser gefällt als Denbigh. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass hier die Wolken plötzlich aufreißen und die Sonne scheint. Die Kathedrale von St. Asaph, eines der „Seven Wonders of Wales“, ist zwar klein, besitzt aber ein geschnitztes Chorgestühl und wunderschöne bunte Fenster.
Für heute sind wir genug herumgekurvt, deshalb machen wir uns wieder auf den Heimweg, mit einem kurzen Stopp am Tweedmill Factory Outlet. Diesen verlassen wir jedoch fluchtartig. In 30 Jahren sind wir vielleicht alt genug, um hier einkaufen zu wollen …
Am Nachmittag regnet es immer mal wieder, daher verbringen wir die Zeit in unserem Cottage mit Lesen und der Routenplanung für die nächsten Tage.
Heute wird mal nicht selbst gekocht, sondern wir gehen in den Pub zum Essen, wo wir erstaunt feststellen, dass das Bier ziemlich teuer geworden ist: wir zahlen fast 5 Pfund für 2 Pint! Wir haben doch früher kaum mehr als 1 Pfund je Pint gezahlt!
Daheim versuchen wir, den Kaminofen anzuzünden, aber der Wind drückt den Rauch so stark ins Zimmer zurück, dass wir am Ende alle Fenster aufreißen und anschließend im kalten Zimmer sitzen und wie die Räucherheringe stinken. War wohl nix, aber unter der Bettdecke ist’s ja auch schön warm …

Tag 5: Mittwoch, 12. März

Valle Crucis Abbey ist auch heute noch ein imposantes Gebäude.

Es windet heute zwar ziemlich heftig, aber trotzdem machen wir uns auf den Weg nach Llangollen. Die Sonne kommt aber immer wieder raus, vor allem bei Valle Crucis Abbey reißt der Himmel teilweise richtig auf, so dass wir einige schöne Fotos machen können. Die Abtei ist immer noch so eindrucksvoll, wie wir sie von unserem letzten Besuch in Erinnerung haben.
Wir fahren weiter nach Llangollen, wo wir in der tourist information einen Wanderführer kaufen und uns mit allem möglichen Material eindecken. Danach schauen wir uns den Ort an, der uns richtig gut gefällt. Wir besuchen das kleine, aber liebevoll eingerichtete Museum, in dem man alles ausgestellt hat, was irgendwie mit Lllangollen zu tun hat – oder auch nicht.
Als wir wieder weitergehen, fängt es zu regnen an – eine prima Ausrede, um im nächsten tea room einen „cream tea“ mit scones, marmalade und clotted cream zu uns zu nehmen!
Es ist uns dann aber doch ein wenig zu nass, deshalb fahren wir nach Hause, hören Hörbücher, trinken Tee (unser Tee- und Milchkonsum erreicht langsam schwindelerregende Ausmaße) und machen uns am Abend ein Curry-Huhn mit Kartoffeln, Zucchini und Joghurt.
Zum perfekten Abschluss des Tages legen wir eine von daheim mitgebrachte Bruder-Cadfael-CD ein, die so richtig gut zu unserem heutigen Besuch in der Valle Crucis Abbey passt.

Tag 6: Donnerstag, 13. März

Sonnenaufgang über dem Tal des Clwyd.

Nun scheint sich die Sturmfront langsam verzogen zu haben, jedenfalls hatten wir heute einen spektakulären Sonnenaufgang. Und den restlichen Tag ist es zwar bedeckt, aber trocken.
Heute fahren wir in Richtung Wrexham. Eine Umleitung bringt unseren TomTom ein wenig durcheinander, daher finden wir auch das Penrhos Engine House nicht. Also fahren wir gleich weiter nach Caergwrle (oh Gott, wie spricht man das denn wohl aus?!?), wo wir mit Hilfe unseres Wanderführers eine Wanderung querfeldein machen, über Wiesen und Weiden, durch Gatter, über Zäune und durch Hecken – es ist im Buch alles so exakt beschrieben, dass wir auch tatsächlich nach etwa 2 Stunden wieder zurück nach Caergwrle finden. Wir klettern noch hinauf zur Burgruine und kaufen danach im sandwich shop ein spätes Mittagessen.
Danach fahren wir weiter nach Bersham, wo wir im Bersham Heritage Centre eine interessante Ausstellung über die Eisenhütten eines gewissen Herrn Wilkinson (ja genau, der mit den gekreuzten Klingen auf den Rasiermessern) und die Zeit der industriellen Revolution anschauen.
Für heute ist es wieder genug und wir machen uns daher wieder auf den Heimweg.
Zum Abendessen holen wir uns den Klassiker schlechthin: fish & chips aus dem takeaway! Einmal muss das einfach sein und diesmal ist der Fisch auch noch nicht ausverkauft!

Tag 7: Freitag, 14. März

In der Gegend um den Pistyll Rhaeadr wurde der Film „Ein Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“ gedreht.

Für heute haben wir uns eine weite Fahrstrecke ausgesucht: zum höchsten Wasserfall in Wales, dem Pistyll Rhaeadr – ein weiteres der „Seven Wonders of Wales“.
Schon die Fahrt dahin ist abenteuerlich, irgendwann geht es nur noch auf b-roads weiter und die Straßen werden einspurig. Auch unser TomTom erkennt das letzte Stück nicht einmal mehr als Straße …
Trotzdem finden wir den Wasserfall problemlos und sind erstmal beeindruckt: das Wasser fällt hier etwa 75 Meter fast kerzengerade herab. Wir arbeiten uns in steilem Terrain bis zum obersten Punkt des Wasserfalls hinauf. Hier oben sollte man schon schauen, wohin man tritt: es gibt keine Absperrung …
Wir steigen wieder hinunter und gehen den in unserem Wanderführer beschriebenen Rundweg durch das Flusstal. Doch an der dritten Farm verbellen uns schon von aller Weite zwei Hunde, so dass wir lieber umkehren. Und ausgerechnet an der einzigen „hundefreien“ Farm steht nun auch ein Hund! Super! Hinter uns zwei Hunde, vor uns einer – und nun? Also gut, nehmen wir es halt mit dem einen auf. Gottseidank ist der ein ganz Braver: er bellt nicht einmal, sondern wedelt uns nur freundlich an. Puh, geschafft!
Auf der Heimfahrt machen wir in Froncysyllte Halt, wo wir einmal über das Pontcysyllte Aquaeduct laufen. Ganz schön hoch hier und eine wahre technische Meisterleistung!
Der tea room in Llangollen hat leider zu heute, deshalb fahren wir nach Hause, es fängt sowieso wieder ein wenig zu regnen an.

Tag 8: Samstag, 15. März

Die gelben Häuschen dienen in St. Winefride’s Well als Umkleidekabinen.

Wir sind ein wenig kreuzlahm von der Fahrerei gestern, daher fahren wir heute nur bis nach Holywell. Als erstes schauen wir uns die Zisterzienser-Abtei Basingwerk Abbey an, von der leider nicht mehr ganz so viel steht wie in Valle Crucis. Dennoch scheint dies eine der größeren Abteien gewesen zu sein. Wir spazieren anschließend durch den Greenfield Valley Heritage Park, wo es u.a. Ruinen von wasserbetriebenen Walzwerken gibt. Leider ist das Visitor Centre noch nicht geöffnet, das macht erst ab Karfreitag auf. Wir landen am Ende des Parks direkt bei St. Winefride’s Well (eines der „Seven Wonders of Wales“). Das Visitor’s Centre der Wallfahrtskirche hat heute bereits geöffnet – auch wenn die Schilder am Eingang als Öffnungstermin den 1. April angeben. Es gibt sogar einen Verrückten, der heute im wundertätigen Wasser badet, trotz doch ziemlich kühler Temperaturen. Wir begnügen uns mit ein paar Schlucken des Wassers, dessen Heilkraft Lahme wieder gehen lassen soll. Vielleicht hilft es ja wenigstens gegen unsere Rückenprobleme – man kann’s ja mal probieren!
Auf der Rückfahrt machen wir kurz Halt in Mold, wo heute Markttag ist. Leider fängt es an zu regnen und die ersten Stände machen schon dicht, so dass wir schon bald wieder nach Hause fahren, wo uns eine heiße Tasse Tee, der Kaminofen und ein schönes Bad erwarten.

Tag 9: Sonntag, 16. März

Das Myddelton Arms am St. Peter’s Square in Ruthin wird wegen seinen vielen Erkern auch „Die Augen von Ruthin“ genannt.

Heute regnet es bis zum frühen Nachmittag, deshalb gönnen wir uns heute einen faulen Tag mit Lesen, Fernsehschauen und literweise Tee. Erst am späten Nachmittag, als der Himmel wieder aufreißt, fahren wir nach Ruthin, wo wir ein wenig durch die Straßen schlendern und ein paar Sachen einkaufen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man sogar am Sonntag einkaufen gehen kann.

Tag 10: Montag, 17. März

Eine Dampflokomotive der Llangollen Railway fährt in den Bahnhof von Glyndyfrdwy ein.

Die Sonne scheint heute wieder, auch wenn es noch recht kühl ist. Genau richtig, um eine kleine Wanderung zu unternehmen.
Wir fahren auf ziemlich abenteuerlichen Wegen, wo am Straßenrand auffallend viele tote Fasane liegen (sind die Viecher so dumm oder fahren die Waliser so wild?) nach Glyndyfrdwy und wandern von da aus den Weg an einem kleinen Bach entlang zu den Nant y Pandy Tramways. Hier gibt es alte, aufgegebene Schienenwege, auf denen früher der Schiefer bis hinunter ins Tal zur Bahnstation von Glyndyfrdwy gebracht wurde. Der Weg ist richtig idyllisch und der kleine Bach gluckert munter neben unserem Weg entlang.
Wieder zurück im Ort gehen wir zur Bahnstation, wo gerade eine der alten Dampflokomotiven der Llangollen Railway in den Bahnhof einfährt. Leider machen die Akkus unserer Kamera schlapp und die Ersatzakkus sind im Auto, so dass wir keine Nahaufnahme mehr machen können. Bis wir die Akkus getauscht haben, ist der Zug schon lange wieder weg. Aber macht ja nichts: wir haben ja Zeit, und deshalb warten wir einfach, bis der nächste Zug aus der Gegenrichtung kommt. In der Zwischenzeit verspeisen wir unsere Sandwiches und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen.
Es ist noch gar nicht so spät heute, deshalb beschließen wir, noch weiter nach Wrexham zu fahren, wo wir Erddig Hall besuchen. Der Eintritt kostet zwar eine Stange Geld, aber dafür ist es wirklich beeindruckend, wie aufwendig der National Trust dieses riesige Herrenhaus restauriert hat. Man fühlt sich regelrecht versetzt in die Zeit um 1900. Auch der Garten ist ein Traum!
Für heute haben wir genug gesehen und fahren daher wieder heim, wo wir unsere Hot Cross Buns mit vieeel Custard-Sauce überbacken und zum Tee verspeisen.

Tag 11: Dienstag, 18. März

Aufstieg zum Castell Dinas Bran – die Hälfte der Strecke ist endlich geschafft.

Das Wetter heute ist prima – schön sonnig, aber nicht zu warm. Vielleicht wird ja unsere Wäsche, die wir gestern Abend noch gewaschen haben, heute trocken. Sobald wir alles aufgehängt haben, fahren wir auch schon los, es ist wirklich kein Tag, um daheimzubleiben!
Heute wollen wir zum Castell Dinas Bran hinaufmarschieren, das wie ein Nest auf einem kegelförmigen Hügel bei Llangollen liegt. Der Weg hier hinauf ist ziemlich steil und wir brauchen doch etwa eine 3/4 Stunde, bis wir endlich oben sind. Aber es hat sich absolut gelohnt, der Ausblick ist fantastisch!
Als wir uns das Castell näher anschauen, fällt uns unabhängig voneinander der „Herr der Ringe“ ein: vielleicht hat J.R.R.Tolkien ja Dinas Bran im Sinn gehabt, als er über die Wetterspitze geschrieben hat? Jedenfalls haben die Ruinen irgendwie etwas Mystisches an sich.
Der Wind pfeift uns hier oben nach einer Weile dann doch etwas zu stark, so dass wir uns wieder an den Abstieg machen. Runter geht es doch viel schneller als rauf, aber für heute reicht es uns mit der Wanderei. Wir machen noch von der Brücke von Llangollen (übrigens ein weiteres der „Seven Wonders of Wales“) ein Foto, bevor wir wieder zurück nach Ruthin fahren.
Markus hat ein wenig Probleme mit seinem Rücken, aber die Clinic in Ruthin macht doch zu sehr einen Krankenhauseindruck, was ihn etwas abschreckt. Dann versuchen wir’s halt mit einem heißen Muskelentspannungsbad und mit einer Moorwärmflasche.
Den Abend verbringen wir sogar mal vor dem Fernseher, uns interessiert die Zeitreisedoku über eine Familie, die sich als Bergarbeiter in die Zeit um 1927 zurückversetzen lässt.

Tag 12: Mittwoch, 19. März

Außer uns sind nur wenige Leute im Marschland des River Clwyd unterwegs.

Heute machen wir’s mal andersherum: das Entspannungsbad gibt’s gleich in der Früh zum Aufwärmen der Muskeln. Dann geht der Tag gleich richtig gut los …
Wir fahren heute nach Rhyl, wo wir uns auf eine fast 3-stündige Wanderung durch das Marschland entlang des River Clwyd machen. Die Strecke führt uns nach Rhuddlan, wo wir das Castle leider nur von außen besichtigen können, da es erst im Sommer öffnet. Macht nichts, wir glauben eh‘, dass wir hier vor vielen Jahren sowieso schon mal waren. Jedenfalls liegt Rhuddlan auf der Hälfte der Strecke und wir marschieren auf der anderen Seite des Flusses wieder zurück nach Rhyl. Die Wanderung ist zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber nach den knapp 8 Kilometern rauchen unsere Füße doch schon ein wenig. Wir lassen uns daher in Rhyl erschöpft in ein Café fallen und stärken uns mit ein paar Sandwiches.
Auf der Heimfahrt kaufen wir noch ein wenig für die kommenden Ostertage ein. Bei den Schokolade-Eiern vergeht uns aber angesichts der Preise ein wenig der Appetit und wir nehmen nur eine kleine Packung mit.
Bis zum Abendessen hängen wir ziemlich kaputt daheim rum und hören Hörbücher, zu mehr reicht es heute nicht mehr.
Wir melden uns mal wieder daheim und erfahren, dass es in Deutschland ziemlich heftig geschneit hat. Noch können wir uns freuen, dass wir es hier ein paar Grad wärmer haben, auch wenn für die Ostertage auch hier Schnee angesagt wird. Lassen wir uns überraschen!

Tag 13: Gründonnerstag, 20. März

In den Minera Lead Mines wurde einmal Blei abgebaut.

Heute wurden wir schon in der Früh von einer Zeugin Jehovas besucht. Hilfe! Ist man vor denen nicht mal im Urlaub sicher? Wenigstens konnten wir sie schnell abwimmeln …
Das Wetter ist heute ziemlich regnerisch, aber wir sind ja nicht aus Zucker, deshalb fahren wir Richtung Süden zu den Minera Lead Mines. Glücklicherweise finden wir sie trotz einer Umleitung problemlos, allerdings stellen wir fest, dass wir noch zu früh dran sind. Wir müssen fast 45 Minuten warten, bis das Museum um 12 Uhr endlich aufmacht. Da es immer wieder regnet, flüchten wir in der Zwischenzeit ins Auto und warten dort. Das kleine Visitor Centre ist ganz nett und es gibt glücklicherweise ein Modell der Anlagen, so dass wir uns alles ganz bequem im Trockenen anschauen können.
Danach geht’s weiter zu den Bersham Ironworks. Der Student, der die Aufsicht im Museum hat, scheint ein wenig Langeweile zu haben, jedenfalls unterhalten wir uns eine ganze Weile mit ihm und er erklärt uns so einiges über die Ironworks. Später kommt sein Chef vorbei, den wir, wie sich herausstellt, gerade vorher in Minera gesehen haben. Offenbar gehören die beiden Museen zusammen.
Für heute ist es uns entschieden zu nass geworden und wir fahren wieder heim, um den restlichen Tag gemütlich in unserem Cottage zu verbringen.

Tag 14: Karfreitag, 21. März

Das Eingangsportal von Chirk Castle – gediegene Zurschaustellung adeligen Wohlstands.

Wider Erwarten begrüßt uns heute ein blauer Himmel, der aber mit vielen, extrem schnell ziehenden Schäfchenwolken durchsetzt ist. Außerdem ist es sehr kalt geworden. Solange es aber nicht regnet, sollten wir uns aber trotzdem auf die Socken machen.
Wir fahren nach Chirk, um uns dort das Castle anzuschauen. Es ist etwa 700 Jahre alt, gehört dem National Trust, aber ein Flügel des Castles wird immer noch von den ehemaligen Besitzern bewohnt. Den Rest des Castles kann man besichtigen.
Was uns hier fast am meisten beeindruckt, ist der riesige Garten, der mit Formschnittpflanzen, Rosengarten, reetgedeckter Gartenlaube, Teich und exakt geschnittenen Grasflächen alles hat, was ein klassischer englischer Garten so braucht. Die Natur ist hier schon ein paar Wochen weiter als bei uns daheim: Rhododendron, Magnolien, Osterglocken und Lenzrosen stehen hier schon in voller Blüte.
Leider ist es heute ziemlich windig und auch extrem kalt, zwischendrin schneit und hagelt es sogar einmal kurz.
Auf der Heimfahrt machen wir noch in Llangollen Halt, wo wir Postkarten kaufen und zum Aufwärmen in den Pub gehen und einen Sandwich essen. Den restlichen Tag verbringen wir gemütlich im Cottage.

Tag 15: Ostersamstag, 22. März

Schnee auf dem Horseshoe Pass!

Für heute ist Schneefall angesagt. Davon lassen wir uns aber dennoch nicht abhalten und fahren nach Llangollen zum Plas Newydd.
Die beiden „Ladies of Llangollen“ hatten sicher auch für damalige Verhältnisse eine Macke, allein die vielen Holzschnitzereien, mit denen sie ihr Haus außen und innen ausgeschmückt haben: ehemalige Bettpfosten, alte Stuhllehnen, Schnitzereien aus Chorgestühlen usw. Und alles wie bei einem Pachworkteppich zu ganzen Wandpaneelen zusammengesetzt. Sie haben nicht einmal davor zurückgeschreckt, aus Glasfenstern der verschiedensten Herkunft (sogar aus Valle Crucis sollen Glasstücke verwendet worden sein) ihre eigenen bunten Fenster zusammenzuschustern. Aber das hat ihnen an Extravaganz offenbar noch lange nicht gereicht: zweimal sollen sie aus ihrem bürgerlich-beengten Zuhause in Irland ausgerissen sein, bevor sie nach abenteuerlicher Flucht letztendlich hier miteinander glücklich geworden sind. Ob sie lesbisch waren, weiß man nicht ganz genau, aber auf jeden Fall waren sie für die damalige Zeit ziemlich revolutionär.
Das Wetter ist heute wie im April: In Llangollen scheint gerade noch die Sonne, doch ein paar Augenblicke später, auf dem Horseshoe Pass, kommen wir uns vor, als ob wir in einer Schneekugel sitzen. Wir hoffen, dass es in den kommenden Tagen ein wenig besser wird, wir können ja nicht jeden Nachmittag im warmen Cottage verbringen. Obwohl: Warum eigentlich nicht?

Tag 16: Ostersonntag, 23. März

Der Sensenmann in Llangar Church als ewige Mahnung vor dem Tod.

Als erstes müssen natürlich heute die Ostereier im gesamten Cottage versteckt und vor allem auch von Markus gefunden werden, es ist ja schließlich Ostern! Danach frühstücken wir in aller Ruhe. Momentan sieht es draußen noch nicht so einladend aus, weil es gerade noch ein wenig regnet.
Um 11 Uhr entschließen wir uns trotzdem aufzubrechen, da es nun ein wenig aufreißt. Wir fahren nach Corwen, wo wir als Erstes Rug Chapel besuchen. Eine schöne kleine Privatkapelle, in der seit dem 17. Jhdt. fast nichts verändert wurde. Wir haben Glück, dass um 1 Uhr eine CADW-Angestellte vorbeikommt, die einen Schlüssel für Llangar Church hat. So können wir auch diese kleine Kapelle von innen besichtigen.
Das Wetter hat sich in der Zwischenzeit etwas stabilisiert, so dass wir den Aufstieg zum Hillfort Caer Drewyn wagen, wo schon Owain Glyndwr seine Truppen versammelt hat, um die Engländer aus Wales zu vertreiben – leider war er dabei erfolglos, sonst wäre Wales heute vielleicht ein eigenständiger Staat.
Zurück in Corwen machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort, wo wir am Owain Glyndwr-Denkmal vorbeikommen und anschließend die Kirche St. Mael & St. Sulien anschauen wollen. Leider ist die Kirche geschlossen, aber auf dem Friedhof stellen wir fest, dass es in Wales offenbar einen Mangel an unterschiedlichen Familiennamen gibt: auf fast jedem Grabstein stehen Namen wie Edwards, Davies, Roberts oder Jones. Um trotzdem unterscheiden zu können, setzte man einfach die Berufsbezeichnung (z.B. postman) dazu, dann wusste jeder gleich, wer hier begraben liegt.
Uns ist es heute ein wenig zu kalt, daher fahren wir wieder heim, um uns in unserem Cottage aufzuwärmen und den restlichen Nachmittag und Abend gemütlich im Warmen zu verbringen.

Tag 17: Ostermontag, 24. März

Ein paar sonnige Phasen hatten wir heute doch noch.

Die Hügel auf der gegenüberliegenden Talseite tragen heute weiße Schneehäubchen. Doch sobald die Sonne scheint, sind die Hügel schon wieder grün. Trotzdem ist es heute kein Tag, an dem man gerne das Haus verlässt: es ist richtiges Aprilwetter mit Regen, Hagel, Sonne und sogar ein wenig Schneegestöber. Es ist außerdem ziemlich kalt draußen. Aber wenigstens bleibt der Schnee nicht liegen.
Wir beschließen, heute einfach mal daheim zu bleiben und es uns gemütlich zu machen, wir müssen sowieso noch Postkarten schreiben. Ansonsten kann man ja noch ausgiebig lesen, fernsehen und es sich gemütlich machen.
Morgen soll das Wetter besser werden – lassen wir uns überraschen.

Tag 18: Dienstag, 25. März

Der Eingang des Llangollen Motor Museum war wohl mal eine Tankstelle.

Draußen ist es heute nicht sehr einladend, es nieselt und ist auch relativ kühl. Nichts zum Wandern, aber genau das Richtige für einen Museumstag in Wrexham.
Dort angekommen, schauen wir uns als Erstes die Kathedrale St. Giles (schon wieder eines der „Seven Wonders of Wales“) an, wo wir mit einem älteren Herren ins Gespräch kommen – vielmehr versucht er, seine paar Brocken Deutsch bei uns anzubringen. Bevor er seine gesammelten Kriegserlebnisse auspackt, ziehen wir uns relativ schnell aus der Affäre.
Danach streunen wir weiter durch Wrexham, ein wenig missmutig, denn es regnet immer noch. Schön, dass es hier noch die gute alte Tradition der Indoor-Markets gibt. Aber zum Shoppen sind wir nicht so sehr aufgelegt und irgendwann wird auch das Schlendern durch die Markets langweilig.
Wir kommen am County Borough Museum vorbei und nutzen natürlich gleich die Gelegenheit, dort reinzuschauen. Hier wird die Gegend von Wrexham von der Steinzeit bis heute beleuchtet und es gibt für kleine (und große) Kinder eine Menge Hands-on und Dreh-knöpfe – die müssen wir natürlich gleich ausprobieren.
Wir beschließen, wieder zurück Richtung Heimat zu fahren und machen unterwegs in Llangollen Halt, wo wir unsere Postkarten loswerden und dann in den Cottage Tea Rooms einen Welsh Cream Tea trinken. Danach schauen wir uns noch das Llangollen Motor Museum an. Von außen eher unscheinbar und eine einfache Halle, aber drinnen merkt man sofort, dass da ein eifriger Sammler und Bastler am Werk ist: alte Motorräder und Oldtimer, Zapfsäulen, Blechschilder, Fotos: eine wilde Mischung über alles, was der Fortbewegung dient. Auf jeden Fall nett gemacht.

Tag 19: Mittwoch, 26. März

Am Offar’s Dyke steht der Ginster in voller Blüte.

Das Wetter scheint sich ein wenig zu bessern, auch wenn es in der Früh noch ein wenig regnet.
Wir fahren nach Prestatyn, um wenigstens einmal am Strand gewesen zu sein. Es ist zwar ein wenig windig, aber dennoch machen wir einen Spaziergang am Strand, bevor wir uns den Ort anschauen. Nicht sehr eindrucksvoll, eher auf den Tourismus im Sommer ausgerichtet.
Am Ortsrand gibt es Reste eines römischen Badehauses zu sehen. Es ist zwar ziemlich klein, aber man kann sich doch noch das eine oder andere vorstellen, auch Reste der Fußbodenheizung sind noch zu erkennen.
Wir gehen in einen Pub, wo wir fish & chips essen (was sonst?!?) und entschließen uns dort spontan, heute doch noch eine Wanderung zu machen, da es richtiggehend sonnig wird.
Wir wandern durch den Prestatyn Hillside & Bishop’s Wood, durch den auch der Offa’s Dyke führt. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über Prestatyn und das Meer. Leider ist der Weg an ein paar Stellen ein wenig matschig durch den Regen der letzten Tage.
Auf der Heimfahrt kommen wir am Clive Engine House vorbei, das leider nur von außen zu besichtigen ist. Der auf einem Schild ein paar Kilometer weiter ausgeschilderte Wasserfall kostet tatsächlich Eintritt, so dass wir weiter nach Hause fahren und den heutigen Tag im Cottage beschließen.

Tag 20: Donnerstag, 27. März

Unterwegs treffen wir auch auf Fasane.

Die Wetterbesserung von gestern scheint sich durchzusetzen, jedenfalls haben wir heute bis auf einen 5-Minuten-Schauer trockenes Wetter. Also nichts wie rein in die Wanderschuhe und raus in die Natur!
Wir haben uns für heute einen 8-km-Rundweg um Denbigh vorgenommen, der nicht allzu schwierig ist. Er beginnt in der Stadt, führt am Castle vorbei und später ein gutes Stück entlang des River Ystrad. Leider ist der Weg auch hier stellenweise ein wenig matschig und wir müssen einige Wasserpfützen auf dem Weg umgehen, so dass wir länger brauchen, als angegeben. Trotzdem ist es eine schöne Wanderung mit herrlichen Blicken auf den Fluss und Denbigh.
Unterwegs kommen wir sogar am Gwaynynog Garden von Beatrix Potter vorbei. Kein Wunder, dass wir den letzte Woche nicht gefunden haben, so abseits, wie der liegt. Es sieht nicht so aus, als ob der Garten offen wäre, daher gehen wir weiter auf unserem Weg.
Auf der Heimfahrt kaufen wir noch unsere Mitbringsel ein und lassen dann den Tag ruhig ausklingen. Langsam macht sich ein wenig Wehmut breit, da wir übermorgen schon wieder heim müssen.

Tag 21: Freitag, 28. März

Keine Modelleisenbahn, sondern der Bahnhof von Llangollen.

Eigentlich wollten wir heute noch eine Wanderung machen, aber leider regnet es am Vormittag relativ lange. Trotzdem brechen wir am späten Vormittag nach Llangollen auf, wo wir uns im Cottage Cream’n’Candy mit Fudge und Butterscotch eindecken. Außerdem gibt’s für jeden von uns ein Honeycombe-Eis.
Im Bahnhof fährt gerade eine Dampflok ein und wir schauen eine Weile zu, wie es zischt und qualmt. Schade, dass es unser letzter Tag ist, sonst wären wir vielleicht doch noch mit der Llangollen Railway gefahren. Stattdessen kommen wir mit dem Schaffner auf dem Bahnsteig ins Gespräch, der darüber fast vergisst, am nächsten Bahnhof Bescheid zu geben, dass der Zug bereits unterwegs ist.
Wir latschen noch ein wenig durch den Ort und gehen dann ins Courtyard Café, wo wir diesmal einen Welsh Tea bestellen mit Tee, Sandwiches und Bara Brith (ein Früchtekuchen). Ein schöner Ausklang für unseren Urlaub.
Leider bekommen wir noch einen Anruf von Zuhause, dass Markus‘ Onkel gestorben ist und am Dienstag beerdigt wird. Das ist natürlich keine so schöne Nachricht …
Wir packen am Abend unsere Sachen, machen mit den letzten Resten aus unserem Kühlschrank ein letztes Abendessen und gehen relativ bald ins Bett.

Tag 22: Samstag, 29. März

It’s boarding time!

Wir sind offenbar beide ein wenig nervös, ob das heute alles so klappt mit dem Auto, dem Rückflug usw. Jedenfalls sind wir beide schon viel zu früh um halb 6 Uhr wach.
Wir machen uns in Ruhe fertig, packen unsere Sachen ins Auto und schmieren uns Sandwiches als Wegzehrung. Trotzdem sind wir ohne Hektik bereits um kurz nach 7 Uhr unterwegs.
Unser Navi hat offenbar ein Problem, den Flughafen von Birmingham zu finden, aber wir haben ja gottseidank noch den Straßenatlas dabei. Es funktioniert damit genauso gut, nur an einer Autobahnabzweigung kurz vor Birmingham sind wir kurz verwirrt, wo’s langgeht und müssen einen kleinen Umweg fahren. Ist aber nicht weiter schlimm, da wir dort an einer Tankstelle vorbeikommen und das Volltanken auf die Art und Weise gleich abhaken können.
Rund um Birmingham wird es erwartungsgemäß ein wenig komplizierter und der Verkehr dichter, aber der Flughafen ist ausgeschildert und wir finden auch die Mietwagenstation ziemlich problemlos. Das Zurückgeben des Autos ist in ein paar Minuten erledigt und wir sitzen schon um kurz vor 10 Uhr im Flughafen-Café. Unser Flug geht erst in 3 1/2 Stunden, so dass wir noch jede Menge Zeit haben, bis es losgeht.
Leider haben wir keinen Direktflug nach München, sondern fliegen über Frankfurt. Wir müssen dort fast 45 Minuten von unserem Abkunfts-Gate bis zum Abflugs-Gate latschen, wo es auch schon kurze Zeit später weitergeht. In München nehmen wir uns ein Taxi nach Hause und freuen uns doch ein wenig, wieder zu Hause zu sein.
Unser Fazit für diesen Urlaub: Wir hatten drei wunderschöne Wochen in Wales und waren schon lange nicht mehr so erholt, wie diesmal. Es ist schön, wenn man selber bestimmen kann, wann und ob man Hunger hat und auch das Selberkochen artet gar nicht mal in soooo viel Stress aus – vorausgesetzt man hat eine so super ausgestattete Küche!
Wir werden sicher wieder nach Wales zurückkehren – vielleicht buchen wir sogar wieder irgendwann „The Logde“ in Llanfair Dyffryn Clywd?